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„Quintessence News“ – Klare und empathische Kommunikation ist wichtig

Der DENTAGEN-Vorstandsvorsitzende Nils Hagenkötter (links) begrüßt den Festredner des DENTAGEN-Partnertreffs, Bundesligaschiedsrichter Deniz Aytekin.
Foto: Britta Schüßling/DENTAGEN

Nicht nur für Vorträge bot der Veranstaltungsort einen idealen Rahmen für die erste Auflage des neu gestalteten „DENTAGEN-Partnertreffs“. Der Vorstandsvorsitzende der DENTAGEN Wirtschaftsverbund eG, Nils Hagenkötter hatte mit seinem Team für die Mitglieder der Einkaufs- und Laborgenossenschaft ein interessantes und vielseitiges Programm zusammengestellt, das aktuelle Themen und direkt alltagsverwertbare Inhalte bot und zugleich viel Raum für den so wichtigen Austausch und das Vernetzen in der Genossenschaft ließ.

Ein Höhepunkt der Veranstaltung, die im Juni im Duisburger Stadion (Schauinslandreisen-Arena) stattfand, war der Beitrag von Bundesligaschiedsrichter Deniz Aytekin. Selbst Unternehmer und Geschäftsmann, verband Aytekin auf elegante und interessante Weise Einblicke in die Arbeit der Fußballschiedsrichter mit Fragen der Menschenführung. Er spiegelte seine Empfehlungen und Tipps dabei auch vor dem Hintergrund seines eigenen Werdegangs. Denn der heute bei Spielern seit Jahren immer wieder zum beliebtesten Schiedsrichter gewählte Aytekin bekam zu Beginn seiner Schiedsrichterkarriere erstmal ganz schlechte Kritiken.

„Begründen Sie Ihre Entscheidungen“

Er habe mit Hilfe von Freunden und professionellen Coaches an seinem Auftreten und vor allem seiner Kommunikation gearbeitet. Gerade auf dem Platz, in hitzigen und umstrittenen Situationen, sei eine klare und zugleich empathische Kommunikation wichtig. „Begründen Sie Ihre Entscheidungen“, war einer der wichtigen Tipps, die er seinem aufmerksamen Publikum mitgab. Und niemand sei fehlerfrei. Sein Ziel sei es, ein Spiel fehlerfrei zu pfeifen, daran arbeite er. Aber er wisse, dass er das mit großer Wahrscheinlichkeit nie erreichen werde. Fehler einzugestehen, gehöre daher auch immer dazu.

Verlässlichkeit und klare Aufgaben

Auch auf dem Platz komme es auf Teamarbeit und Verlässlichkeit an – er ist seit vielen Jahren mit seinem eingespielten Assistententeam unterwegs. Jeder wisse, worauf er achten müsse, die Aufgaben seien klar zugeteilt und jeder unterstütze den anderen. Am Ende müsse er die Entscheidungen treffen und kommunizieren – daher sei er auf die Hilfe des Teams und des „Kölner Kellers“ angewiesen. Da aber immer Fehler passieren könnten, müsse sein Team sich auch darauf verlassen können, dass sie gemeinsam und er an erster Stelle die Verantwortung dafür übernehmen.

Neues Format Zukunftsdialog zum Potenzial der Genossenschaften

Am zweiten Tag präsentierte Nils Hagenkötter ein neues Format: den „ZUKUNFTSDIALOG DENTAL“. Mit ihm auf dem Podium diskutierten Georg Mersmann, Vorstand der Soennecken eG, und Dr. Marion Marschall, Chefredakteurin „Quintessence News“, über die Perspektiven und Chancen von Genossenschaften auch für die zahntechnischen Labore. Genossenschaften können gerade in Zeiten des Wandels für ihre Mitglieder wichtige Partner sein, um zum Beispiel die Neuorientierung und Neuausrichtung zu unterstützen, machte Mersmann am Beispiel seiner Einkaufsgenossenschaft für Bürobedarf deutlich. Natürlich würden immer noch Aktenordner gebraucht, aber die Digitalisierung habe das, was von den Mitgliedsunternehmen und auch den Herstellern und Lieferanten erwartet und noch benötigt werde, dramatisch verändert.

Genossenschaften als wichtiger Mittler

Genossenschaften könnten hier wichtige Mittler zwischen Endkunden, Händlern und Herstellern sein. Und die Mitglieder profitierten vom Austausch untereinander und von den Impulsen und der Expertise, die eine Genossenschaft als Zusammenschluss der Vielen entwickeln und auch von außen hereinholen könne. Nicht zu vernachlässigen sei auch die stärkere Position einer Genossenschaft im Gespräch mit der Politik auf allen Ebenen, wenn es um die wirtschaftlichen Interessen und die politische Vertretung der Mitglieder gehe, so Mersmann. So lassen sich auch die Herausforderungen der Bürokratie besser meistern.

Markt der Labore und Praxen im Wandel

Marschall unterstrich diese Aspekte. Der Labormarkt sei weiter im Wandel, getrieben durch den technischen Fortschritt, aber auch durch Konzentrationsprozesse und Fachkräftemangel. Die Abhängigkeit vom Auftraggeber Zahnarztpraxis sei eine Besonderheit gegenüber anderen Handwerken, auch Gesundheitshandwerken. Und die Welt der Zahnarztpraxen ist aktuell im Wandel, die Zahl der aus dem Berufsleben ausscheidenden Zahnärztinnen und Zahnärzte nehme stark zu. Allerdings fehle es an ausreichend Nachfolgerinnen und Nachfolgern, immer mehr Praxen würden geschlossen. Daneben steige die Zahl großer Praxen, zahnmedizinischer Medizinischer Versorgungszentren und von Fremdinvestoren betriebenen Praxisketten. Gerade größere Praxen, MVZ und Ketten betrieben häufig eigene Praxislabore.

Power der Genossenschaft nutzen

Für die Dentallabore sei daher der Zusammenschluss in einer Genossenschaft ein guter Weg, mehr als nur Einkaufsvorteile zu nutzen, sondern sich durch das Netzwerken und das Potenzial einer Genossenschaft im Wettbewerb besser behaupten zu können. Das aktive Mitwirken biete die Chance, selbst die Zukunft mitgestalten zu können und frühzeitig wichtige Trends und Entwicklungen zu kennen. Die Power der Genossenschaft könne es dann auch kleinen Laboren ermöglichen, neue Technologien zu nutzen, ohne hohe wirtschaftliche Risiken einzugehen.

Labor jetzt für die Zukunft aufstellen

Insgesamt gebe es für die Dentallabore derzeit ein gutes Momentum, die Geschäftsbeziehungen mit den Zahnärztinnen und Zahnärzten auf ein modernes, zeitgemäßes und partnerschaftliches Niveau zu bringen. Die Labore sollten dabei aufmerksam die Entwicklungen in den Praxen verfolgen und nutzen – auch die für die Labore zwar freiwillige, aber durchaus sinnvolle Anbindung an die Telematikinfrastruktur, die jetzt beginne. Die Entwicklung gehe hier in großen Schritten voran, die Technik werde immer besser, und wenn die Praxen ohnehin Dienste wie den Kommunikationsdienst KIM oder einen neuen sicheren Messenger nutzen, sei es für diese einfacher und sicherer, diesen Weg auch für die Kommunikation mit dem Labor zu nutzen.

Breites Workshop-Programm

Mehr über die neuesten Entwicklungen in der Industrie, über neue Verfahren, Maschinen und Materialien bis hin zu Cloudlösungen, aber auch Tipps für die Mitarbeiter- und Laborführung, gab es dann in den anschließenden Workshops der DENTAGEN-Partner. Vorstand Nils Hagenkötter freute sich über ein überwiegend positives Feedback der rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer für das neue Format des DENTAGEN-Partnertreffs und hofft, dass bei der nächsten Auflage noch mehr Mitglieder dieses besondere Angebot für Information und Austausch nutzen werden.

Quelle: Quintessence Publishing Deutschland, https://www.quintessence-publishing.com/deu/de/news/zahntechnik/unternehmen-dentallabor/die-klare-und-empathische-kommunikation-ist-wichtig

Hirngesundheit durch hohen Zuckerkonsum gefährdet

Die Prävention von neurologischen Erkrankungen wie Parkinson, Demenz, Schlaganfall oder Migräne stand im Fokus des internationalen „World Brain Day“ am 22. Juli 2024. Ein großer Anteil an Demenzfällen und die meisten Schlaganfälle wären vermeidbar. Doch die weltweite Krankheitslast neurologische Erkrankungen erfordert immer erheblichere Anstrengungen in Sachen Prävention. Anlässlich des Aktionstags möchten die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Hirnstiftung das Augenmerk auf den viel zu hohen Zuckerkonsum lenken, der für die Hirngesundheit schädlich ist.

Bereits seit 1990 werden die Zahl der Todesfälle und die Zahl der verlorenen Lebensjahre für fast 300 Erkrankungen untersucht. Gleich zwei neurologische Erkrankungen, Schlaganfall und Demenzen, befinden sich aktuell unter den zehn häufigsten Todesursachen. Das zeigt, wie wichtig Präventionsmaßnahmen zur Gesunderhaltung des Gehirns sind. Ein gesunder, aktiver Lebensstil mit ausreichend Bewegung und Schlaf, aber auch die Vermeidung von schädlichen Substanzen wie Alkohol, Nikotin oder anderer Drogen und Schadstoffe hilft, diese Erkrankungen zu vermeiden.

Zucker schädigt die Hirngesundheit und kann zum „Demenztreiber“ werden

Was bewirkt Zucker im Gehirn? Hohe Blutzuckerspiegel schädigen die Hirngefäße und führen zu Ablagerungen an Gefäßwänden. Die Gefäße verengen sich, die Blutzufuhr und vermindern so die Versorgung der Gehirnzellen mit Nährstoffen. Dies ist nach der Alzheimer-Form die häufigste Ursache einer Demenz. Jährlich erkranken ca. 250.000 Menschen in Deutschland an einer Demenz, davon 15 bis 25 Prozent an einer solchen gefäßbedingten Variante – etwa 40.000 und 60.000 neu Erkrankte pro Jahr.

Komplexe Zuckermoleküle im Gehirn, sogenannte Glykosaminoglykane, können auch direkt die Denkfähigkeit einschränken. Sie beeinträchtigen die Funktion der Synapsen, den Schaltstellen zwischen den Nervenzellen und somit die Fähigkeit von Nervenzellen und Gehirnarealen, sich anzupassen und bei Bedarf zu erweitern, eine wichtige Eigenschaft für die kognitive Entwicklung und das Lernen. Schon in den 2000er Jahren hatte eine Studie ergeben, dass eine fett- und zuckerreiche Kost langfristig auch die Funktion des Gedächtnisareals im Gehirn, den Hippocampus, beeinträchtigt. Eine aktuelle Untersuchung kommt zu ähnlichen Erkenntnissen: In den 2 bis 12 Stunden nach Zuckerkonsum erhöht sich zwar kurzfristig die geistige Leistungsfähigkeit, aber durch einen dauerhaften Zuckerkonsum wird die kognitive Funktion nachhaltig geschädigt.

Davon abgesehen gibt es noch eine indirekte hirnschädigende Wirkung von zu hohem Zuckerkonsum auf das Gehirn durch Diabetes mellitus. Seit etwa 30 Jahren ist bekannt, dass die Typ-2-Diabetes ein deutlich erhöhtes Demenzrisiko mit sich bringt und es wird angenommen, dass der Glukose-Stoffwechsel auch in den Neuronen gestört ist und so zur Entstehung der Alzheimer-Erkrankung beiträgt.

Warum können wir der „Versuchung“ Zucker so schwer widerstehen?

Es wurde nachgewiesen, dass schon eine kleine Menge Zucker ausreicht, damit der Darm über den Vagusnerv Signale an das Gehirn sendet, die dort ein starkes Verlangen nach weiterem Zuckerkonsum auslösen. Zusätzlich wird bei Zuckerkonsum im Gehirn Dopamin ausgeschüttet. Dieses „Wohlfühlhormon“ führt dazu, dass der Körper davon immer mehr verlangt. Nur ein weitgehender Verzicht auf Zucker kann diesen Teufelskreis durchbrechen.

Gemeinsam mit der Deutsche Hirnstiftung unterstützt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e. V. die politische Forderung, eine Steuer auf besonders zuckerhaltige Getränke zu erheben. Doch auch viele andere Lebensmittel enthalten versteckten Zucker, wie z. B. Joghurts oder Tomatenketchup. Auch Alkohol lässt den Blutzuckerspiegel stark ansteigen.

Weitere Informationen hierzu: https://www.zwp-online.info/zwpnews/dental-news/branchenmeldungen/world-brain-day-2024-zu-viel-zucker-versalzt-die-hirngesundheit

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie e. V.

Was erwarten Patienten von KI-gestützter Diagnostik?

Für Ärzte sind Diagnosen oft nicht so einfach, wie sie in manchen Arztserien erscheinen. Außer den medizinischen Symptomen müssen auch andere Faktoren wie die Lebensweise und die körperlichen Grundvoraussetzungen der Patienten berücksichtigt werden. An Bedeutung zunehmende Technologien legen die Frage nahe: Kann künstliche Intelligenz (KI) in der Medizin sowie in der Arzt-Patienten-Kommunikation bei Diagnosen helfen oder diese sogar eigenständig stellen? Welche Erwartungen haben Patienten an KI? Diese Thematik hat Luisa de Alzaga Achter, Studentin des Studiengangs International Management (https://ism.de/studium-vollzeit/bachelor/international-management-studium/ueberblick) an der International School of Management (ISM) in München, in ihrer Abschlussarbeit näher untersucht.

Was erwarten Patienten von KI-basierte Chatbots im deutschen Gesundheitswesen? Einiges – zeigen die Ergebnisse der Untersuchung von Luisa de Alzaga Achter unter Leitung von Prof. Dr. Klaus Mühlbäck sowie Daniel Khafif, beide Dozenten am ISM Campus in München. Sie befragte acht Experten unterschiedlicher Alters- und Berufsgruppen zu ihren Erwartungen, Motivationen und Hemmnissen bei der Nutzung von Chatbots. Die Befragten kamen aus verschiedenen Bereichen: Entwickler von Chatbots, Vertreter des Gesundheitswesens sowie Patienten, also Nutzer dieser Chatbots.

Unterstützt und vereinfacht KI die tägliche Arbeit?

Nutzer erhoffensich Orientierung und Unterstützung durch die Chatbots. Sie wünschen sich, von der Technologie sicher durch das komplexe Gesundheitswesen geführt zu werden, um das eigene Handeln zu bestätigen. Eine große Rolle spielt dabei die Gebrauchstauglichkeit des Bots. Funktionalität, Qualität der Antworten, maschinelle Intelligenz und Benutzerfreundlichkeit stellen dabei zentrale Anforderungen dar. Patienten haben die Erwartung, dass die künstliche Intelligenz mitlernt und sich die bereits eingegebenen Daten merkt.

Wie steht es mit der Datensicherheit?

Schnell kommt die Frage nach dem Thema Datenschutz auf. Gerade bei sensiblen Informationen, wie der eigenen Krankheitsgeschichte, legen die Befragten großen Wert auf einen verantwortungsvollen Umgang mit ihren Daten durch die KI. Die Zertifizierung der Chatbots mit der Garantie einer sicheren Verwahrung und einfacher Nachverfolgung der eigenen Daten wird gewünscht. In der Wahrnehmung der Patienten kann Datenschutz am besten erreicht werden, wenn es sich um ein deutsches Unternehmen handelt, das den Chatbot betreibt, sodass die Daten auch nach deutschem Recht verwaltet werden.

Wie menschlich kann eine KI sein?

Kritik wird an bestimmten Eigenschaften der KI geübt, bei denen Menschen künstlicher Intelligenz nach wie vor weit voraus sind: Sprache und Empathie. So verfügen Chatbots bislang nicht über vollständige Sprachfähigkeiten auf menschlichem Niveau, was zu Missverständnissen und Unzufriedenheit bei den Nutzern führt. Auch beim nötigen Einfühlungsvermögen im Dialog mit den Patienten kann die künstliche Intelligenz nicht an den Arzt heranreichen. Auch bei Ärzten bestehen Vorbehalte gegenüber KI-basierten Chatbots, weil sie sich gern einen persönlichen Gesamteindruck vom Patienten machen, um eine fundierte Diagnose zu erstellen.

Wie kann der KI-Einsatz in der Medizin künftig aussehen?

Aktuell hat KI nur begrenzte Einsatzmöglichkeiten in der medizinischen Diagnostik und ersetzt den Besuch beim Arzt nicht. Dozent Daniel Khafif resümiert: „Es bleibt festzuhalten, dass diagnostische KI-Systeme immer nur als Assistenztools verstanden werden dürfen. Die letztinstanzliche Entscheidungshoheit zur Verordnung und Vergabe medizinischer Mittel muss beim Menschen, also bei Ärzten oder Pflegekräften, verbleiben.“

KI könnte das medizinische Fachpersonal allerdings sinnvoll ergänzen, wie Luisa de Alzaga Achter herausgearbeitet hat. Vor allem organisatorische Aufgaben rund um Terminfindung und -buchung sowie in der Prävention und Nachsorge können Chatbots wertvolle Dienste leisten. Sie können außerdem größere Mengen an Daten und Diagnosen sammeln als ein einzelner Arzt und so auch umfangreichere Analysen und Erfahrungsberichte über Krankheiten erstellen. Das ist wiederum im Sinne der Krankenkassen, da auf diese Art kostenoptimierte und effizientere Therapiemöglichkeiten angeboten werden können. „Diese Technologien entlasten das medizinische Personal signifikant, indem zeitraubende Kommunikationsaufgaben von der KI übernommen werden“, betont Khafif. „In Zeiten von Personalmangel und Kostendruck können die eingesparten Ressourcen effizienter in Klinik und Praxis investiert werden, was sowohl dem medizinischen Personal als auch den Patienten zugutekommt.“

„Dennoch gilt es noch einige Hemmnisse zu überwinden“, ergänzt Luisa de Alzaga Achter. „Eine hohe Anwendungsfreundlichkeit, verlässliche Funktionalität sowie Sicherheit der Datenspeicherung und -verarbeitung verbunden mit patientengerechter Sprache und Elementen menschlicher Empathie könnten das Vertrauen der Patienten in KI-basierte Chatbots stärken.“

Die erweiterte Publikation steht hier zum Download bereit: https://ism.de/images/downloads/research-journal-2023.pdf

Quelle: dpa

Richtige Zahnputztechnik: Lieber kreisen als rütteln

Immer noch erhebliche Forschungslücken bei der richtigen Zahnputztechnik – Überraschende Ergebnisse einer Netzwerk-Metaanalyse der Universitäten Gießen und Kiel

Dass viele Menschen ihre Fähigkeiten beim Zähneputzen überschätzen, ist seit einer Studie der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) aus dem letzten Sommer bekannt. Doch wie geht es denn nun richtig? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, haben Wissenschaftlerinnen der JLU und der Christian-Albrechts-Universität Kiel (CAU) die vorhandene Forschungsliteratur zum Zähneputzen in einer komplexen Netzwerk-Metaanalyse verglichen. Das überraschende Ergebnis: Ob Kreisen, Rütteln oder Auswischen für besonders saubere Zähne sorgt, darüber lässt sich offenbar immer noch streiten.

„Es fehlt hier einfach an weiteren gut gemachten Forschungsarbeiten“, fasst Prof. Dr. Renate Deinzer vom Institut für Medizinische Psychologie das Ergebnis ihrer neuen Publikation zusammen. Immerhin lassen die vorhandenen Daten den Schluss zu, dass das Putzen mit kreisenden Bewegungen helfen kann, Plaque zu reduzieren, heißt es in der Studie.

Ein überraschendes Ergebnis gab es in Bezug auf die häufig empfohlene „modifizierte Bass-Technik“, bei der die Borsten der Zahnbürste im 45-Grad-Winkel am Zahnfleischrand aufgesetzt werden und dann der Zahnbelag durch Rüttelbewegungen gelockert und mit sanftem Druck von „Rot“ nach „Weiß“ ausgewischt wird. Diese Technik wird oft empfohlen, um Zahnfleischentzündungen vorzubeugen. Die analysierten Daten deuten allerdings darauf hin, dass sie möglicherweise sogar zu mehr Zahnfleischentzündungen führt und nicht zu weniger. „Da sollten wir mit unseren Empfehlungen vorsichtiger sein, solange es keine neuen Daten dazu gibt und möglicherweise mehr Wert auf die Systematik legen“, sagt PD Dr. Sonja Sälzer von der Klinik für Zahnerhaltung der CAU.

Viele wenden sich mit der Frage nach der besten Zahnputztechnik an ihre zahnärztliche Praxis oder suchen im Internet. „Solche Empfehlungen sollten auch wissenschaftlich abgesichert sein“, betont Prof. Dr. Renate Deinzer vom Institut für Medizinische Psychologie der JLU. Ihre Co-Autorin PD Dr. Sälzer ergänzt: „Deswegen haben wir systematisch vorhandene Studien hierzu zusammengesucht“.

Die Forscherinnen sichteten weit über 1.000 Artikel und wählten aus diesen randomisierte kontrollierte Studien aus, die eine Putztechnik mit einer Kontrolle oder einer anderen Putztechnik verglichen hatten. Die Studien mussten außerdem die Personen, die die Technik erlernt hatten, über eine Weile beobachtet und entweder erfasst haben, wie sauber die Zähne nach dem Putzen wurden oder wie gesund das Zahnfleisch war. Letztendlich lieferten nur 13 Publikationen brauchbare Daten für eine Netzwerk-Metaanalyse (NMA). Das Ergebnis war für die Forscherinnen ernüchternd, da sich auf dieser Basis kaum sichere Aussagen ableiten ließen.

Insgesamt fordern die Wissenschaftlerinnen weitere Forschung in diesem Bereich. Auch für die Annahme, dass elektrische Bürsten zu sauberen Zähnen führen, gebe es kaum Belege. „Viele der Studien, die eine geringe Überlegenheit elektrischer Zahnbürsten feststellen, vergleichen diese nur mit der kritisch bewerteten modifizierten Bass-Technik“, sagt Prof. Deinzer. „Möglicherweise ist auch hier die richtige Systematik entscheidender als die Art der Bürste“, ergänzt PD Sälzer. Außerdem sei das manuelle Zähneputzen nachhaltiger und kostengünstiger, so dass sich auch deswegen weitere Forschung in diesem Bereich lohne.

Originalpublikation:

Deinzer, R.; Weik, U.; Eidenhardt, Z.; Leufkens, D.; Sälzer, S. (2024). Manual toothbrushing techniques for plaque removal and the prevention of gingivitis – A systematic review with network meta-analysis. In: PLoS One.
https://doi.org/10.1371/journal.pone.0306302

Quelle: https://www.zwp-online.info/zwpnews/dental-news/wissenschaft-und-forschung/richtige-zahnputztechnik-lieber-kreisen-als-rutteln

Was ist unsere erste Zahn-Erinnerung?

Es sind häufig nur ganz besondere Ereignisse oder speziellen Sinneswahrnehmungen wie Gerüche und Geschmäcker aus unserer frühesten Kindheit, an die wir uns erinnern. Die dentale Online-Umfrageplattform DentaVox wollte jetzt wissen, welche früheste Erinnerung uns in Bezug auf unsere Zähne im Gedächtnis geblieben ist.

Ausfallen der Milchzähne

Fast 8.000 Personen nahmen an der Online-Befragung teil und verrieten, welche frühe Erinnerung sie mit ihren Zähnen in Verbindung bringen. Mit Abstand am häufigsten (37 %) konnten sich die Befragten an das Ausfallen eines Milchzahns erinnern. Auf Platz zwei der dentalen Erinnerungen schaffte es mit 12 % der Zahnschmerz. Dicht darauf folgte die Erinnerung, die Zähne von anderen geputzt zu bekommen (11 %) und Zahnpasta zu essen (9 %). Für insgesamt 8 % der Teilnehmenden war eine Zahnarztpraxis oder eine Zahnbehandlung das erste dentale Erlebnis, das ihnen präsent war.

Späte Zahn-Erinnerung

In der Regel stammen unsere ersten Kindheitserinnerungen bereits aus dem Lebensalter von drei bis vier Jahren. Die Befragten datierten ihre Zahn-Erlebnisse mehrheitlich auf das Alter zwischen sechs und zehn Jahren. Das deckt sich mit dem Alter des Milchzahnverlustes. Vor diesem Zeitpunkt scheinen wir unsere Zähne als Kinder einfach nicht stark wahrzunehmen.

Bleiben zahnärztliche Ratschläge im Gedächtnis?

In der Umfrage sollten die Teilnehmenden ebenfalls Angaben zu den ersten zahnärztlichen Ratschlägen machen, die sie bekommen hatten. Demnach konnten sich 68 % noch an Ratschläge fürs Putzen der Zähne, 53 % an Empfehlungen zur Wahl der Zahnbürste und 50 % zur Wahl der Zahnpasta erinnern.

Erinnerungen auffrischen

Wenn Sie Ihre Erinnerungen zum Thema Zahnpflege auffrischen wollen, können Sie immer wieder beim Team Ihrer behandelnden Zahnarztpraxis nachfragen. Die Aufklärung zur Mundhygiene ist neben der eigentlichen Behandlung ein Kernpunkt der zahnärztlichen Arbeit.

Überprüfen Sie gemeinsam regelmäßig, ob Sie die richtige Zahnbürste verwenden, ob die Zahnpasta zu Ihrer Zahnsituation passt und lassen Sie sich Tipps zur Zahnzwischenraumpflege geben. So haben Sie lange Freude an Ihren natürlichen Zähnen und fördern gleichzeitig Ihre Allgemeingesundheit.

Wie Geschmackszellen vor Infektionen schützen

Die Geschmacksrezeptoren in unserem Mund sorgen dafür, dass wir kleine Nuancen von süß, sauer, sauer und bitter erschmecken. Doch sie können noch mehr, als uns einen tollen Essgenuss bescheren. Neue Studien zeigen, dass die Geschmackszellen uns auch vor Infektionen schützen.

Geschmackszellen können mehr als schmecken

Wissenschaftler aus den USA und China (https://www.nature.com/articles/s41467-019-12505-x) fanden nun heraus, dass die Sinneszellen, die normalerweise für unseren Geschmack verantwortlich sind, noch eine andere wichtige Funktion erfüllen. In unserem Zahnfleisch erkennen diese Zellen nicht nur Aromen, sondern auch krankmachende Bakterien. Als Reaktion darauf alarmieren sie das Immunsystem, um gegen die Keime vorzugehen.

Weniger Keime im Mund

Die Forscher testeten, in welchem Zusammenhang konkret die Geschmacksrezeptoren für Süß und Bitter mit den Mikroorganismen in der Mundhöhle stehen. Dabei beobachteten sie, dass sich bei ausgeschalteten Rezeptoren die Keime im Mund stärker vermehrten als bei normaler Funktionsweise.

Geschmackszellen schützen vor Infektionen

Anhand der Ergebnisse schließen die Forscher darauf, dass die Geschmackszellen beim Menschen durchaus wichtig für den Infektionsschutz sein könnten. Gerade die Rezeptoren, die auf Bitterstoffe reagieren, scheinen eine Rolle bei der Bekämpfung von Keimen zu spielen. Allerdings sind die Geschmacksrezeptoren bei einigen Menschen nicht richtig ausgeprägt oder fehlen komplett. Diese Personen sind dann vermutlich wesentlich anfälliger für orale Entzündungen, wie z. B. eine Parodontitis, als andere.

Werden die Schlussfolgerungen durch weitere Studien bestätigt, könnte möglicherweise in Zukunft eine Untersuchung der Geschmackszellen Zahnärzten helfen, das individuelle Risiko eines Patienten für eine Parodontitis oder andere Infektionskrankheiten besser einzuschätzen.

Parodontitisbehandlung: Krankenkassen übernehmen mehr Leistungen

In der Zahnmedizin gab es vor Kurzem eine große Neuerung, die künftig allen Parodontitis-Patienten zugute kommt. Nach langer Zeit wurden erstmals die Richtlinien für die Parodontitisbehandlung aktualisiert und die Berechnung der zahnärztlichen Leistungen angepasst. Ab 1. Juli 2021 können sich Betroffene über eine breitere Kostenübernahme freuen.

Ab Juli mehr Kassenleistungen in der Parodontitisbehandlung

Bisher mussten gesetzlich Versicherte eine Vielzahl an Leistungen, die eine nachhaltige Parodontitisbehandlung mit sich bringt, selbst zahlen. Zukünftig werden deutlich mehr Kosten von den Kassen übernommen. Unter anderem wurden jetzt eine individuelle Mundhygieneunterweisung samt Aufklärungs- und Therapiegespräch sowie die sogenannte Unterstützende Parodontitistherapie (kurz UPT) als Kassenleistung etabliert.

Unterstützende Parodontitistherapie für langfristigen Erfolg

Die Unterstützende Parodontitistherapie soll den Behandlungserfolg für die Patienten langfristig sichern. Sie beinhaltet daher mehrere Termine in verschiedenen Abständen abhängig vom Grad der Parodontalerkrankung, in denen der Zustand der Mundgesundheit geprüft und neuentstandene Beläge aus den Zahnfleischtaschen entfernt werden.

Parodontitis begünstig andere Erkrankungen

Eine effiziente Behandlung der Parodontitis ist enorm wichtig, denn eine Entzündung des Zahnhalteapparates kann sich nicht nur äußerst negativ auf die Zahngesundheit auswirken (im schlimmsten Fall droht Zahnverlust). Die Parodontitis nimmt ebenfalls Einfluss auf die Allgemeingesundheit und kann andere Krankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen. Patienten sollten daher bei Symptomen wie häufigem Zahnfleischbluten aufmerksam sein und ihren Zahnarzt darauf ansprechen. Sollte eine Parodontitistherapie in Betracht kommen, ist es ratsam, die Anweisungen des zahnmedizinischen Fachpersonals bestmöglich auch zuhause umzusetzen, um die Entzündungen im Körper zu reduzieren.

Kann Alzheimer durch Parodontitis ausgelöst werden?

Die Volkskrankheit Parodontitis hat zahlreiche wissenschaftlich nachgewiesene Zusammenhänge mit anderen Erkrankungen. Jetzt haben Forscher einen Hinweis darauf gefunden, dass Parodontitis auch Alzheimer begünstigen könnte.

Auswirkungen von Parodontitis auf den Körper

Die Entzündung des Zahnhalteapparats (Parodonts) ist in vielerlei Hinsicht eine echte Belastung für unseren Körper: das Zahnfleisch blutet und weist deutliche Entzündungszeichen auf, die Zähne können sich dadurch lockern und sogar ausfallen. Aber nicht nur die Mundgesundheit, sondern auch die Allgemeingesundheit leidet. So hängt die Parodontitis eng mit anderen Krankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammen. Das hat die Forschung bereits eindeutig nachgewiesen.

Alzheimer und Parodontitis

Jetzt haben brasilianische Wissenschaftler den Verdacht geäußert, dass Parodontitis eine weitere bislang unheilbare Krankheit begünstigen könnte: Morbus Alzheimer. Dazu analysierten die Forscher diverse Studien mit Mäusen (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33469718/). Dabei stellten sie fest, dass die Parodontitiskeime eine Kette an Entzündungsprozessen auslöst, die eine Degeneration des Hirngewebes und die Beeinträchtigung der kognitiven Fähigkeiten hervorrufen kann. Es könnte also sein, dass Parodontitis die Entstehung von Alzheimer begünstigt.

Paro-Behandlung und Zahnpflege

Auch wenn zur Entstehung der Erkrankung, die vor allem Menschen ab 65 Jahren trifft, noch andere Faktoren beitragen, ist es sinnvoll, die Entzündungsprozesse im Körper gering zu halten. Wer also seine Zahngesundheit im Auge behält, seine Zähne wie empfohlen pflegt und mögliche parodontale Erkrankungen frühzeitig beim Zahnarzt behandeln lässt, könnte möglicherweise das Risiko, an Alzheimer zu erkranken minimieren.

Vitamin-C-Mangel Grund für Zahnfleischbluten

Die Ernährung hat einen großen Einfluss auf die Mundgesundheit. Unser Körper braucht diverse Nährstoffe um Knochen, Zähne, Schleimhäute und Zahnfleisch intakt zu halten. Dazu zählt auch Vitamin C. Jüngere Studien zeigen allerdings, dass die bisher von der WHO empfohlene Mindestmenge zu gering sein könnte, um unsere Zähne effektiv zu schützen.

Zahnfleischbluten Symptom von Skorbut

Die alte Seemannskrankheit Skorbut klingt wie ein Relikt aus grauer Vorzeit. Damals nahmen die Matrosen Sauerkraut an Bord, um ihren Vitamin-C-Haushalt zu decken. Doch Skorbut ist tatsächlich auch immer noch ein Problem der Neuzeit. Viele Menschen haben dauerhaft mit Zahnfleischbluten zu kämpfen. Und genau das könnte ein Zeichen für einen Vitamin-C-Mangel sein.

Neue Studien zu Zahnfleischbluten und Vitamin-C-Mangel

Wissenschaftler der School of Dentistry der University of Washington (USA) veröffentlichten im Februar 2021 Ergebnisse neuer Studien (doi.org/10.1093/nutrit/nuaa115). Sie kontrollierten den Vitamin-C-Plasmaspiegel von Patienten und deren Neigung zu blutendem Zahnfleisch vor und nach der Gabe von Vitamin-C-Präparaten. Dabei stellten sie fest, dass die von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene Mindestmenge an Vitamin C im Körper, die vor Skorbut schützen soll, wohl zu gering ist, um Zahnfleischbluten tatsächlich zu lindern oder ganz zu vermeiden. Mit einer höheren Aufnahme von Vitamin C sei das Problem aber gut in den Griff zu bekommen. Das gelingt über eine ausgewogene Vitamin C reiche Ernährung oder die zusätzliche Einnahme von Vitamin-C-Präparaten.

Empfohlene Tagesdosis Vitamin C

Laut WHO sollte die tägliche Dosis an Vitamin C bei Erwachsenen bei 45 Milligramm liegen. Während der Schwangerschaft gilt eine empfohlenen Tagesdosis von 55 Milligramm und stillende Mütter sollten sogar 70 Milligramm Vitamin C täglich zu sich nehmen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) hingegen empfiehlt eine deutlich höhere Vitamin-C-Dosis. Hiernach sollten Frauen ihrem Körper täglich 95 Milligramm und Männer 110 Milligramm Vitamin C zuführen. Diese Empfehlungen decken sich also mit dem Schlussfolgerungen der amerikanischen Forscher.

Immer weniger Menschen haben Weisheitszähne

Der Mensch ist äußerst wandelbar. Das hat er im Laufe seiner hunderttausendjährigen Geschichte bereits öfter bewiesen. Und die Evolution stagniert nicht. Auch jetzt verändert sich unser Körper immer weiter, um sich an die herrschenden Gegebenheiten und Lebensbedingungen anzupassen. Eine kürzlich erschienene Studie zeigt, welche großen Veränderungen Kiefer und Zähne aktuell durchmachen.

Gesichter werden kleiner

Australische Forscher habe in einer Studie herausgefunden, dass immer weniger Kinder mit einer Anlage für die Weisheitszähne zur Welt kommen. Grund ist, dass sich die Form unsere Gesichter verändert. Unsere Kiefer werden immer kleiner und deshalb ist im Gebiss weniger Platz für die Zähne.

Weisheitszähne haben keine Funktion mehr

Die Art der Lebensmittel, die wir zu uns nehmen, und damit auch unser Kauverhalten haben sich verändert. Unsere Weisheitszähne haben keine wirkliche Funktion mehr. Sie werden für die Verdauung von verarbeiteter Nahrung einfach nicht mehr benötigt. Deshalb bildet sich die Anlage für die Weisheitszähne immer weiter zurück.

Weisheitszahn-OP ade!

Viele zahnmedizinische Patienten werden diese evolutionäre Entwicklung als Glücksfall betrachten. Schließlich hat ein Großteil Probleme mit schiefstehenden Weisheitszähnen und muss nicht selten eine Weisheitszahn-OP über sich ergehen lassen. Immer mehr Menschen bleibt das in Zukunft erspart.

Die besten Mundspülungen 2021

Für die optimale Mundhygiene empfehlen Experten neben dem Zähneputzen und der Zahnzwischenraumreinigung auch die tägliche Verwendung von Mundspülung. Stiftung Warentest hat jetzt getestet, welche die besten Mundspülungen 2021 sind.

Warum Mundspülung verwenden?

Eine Mundspülung ist aus zwei Gründen sinnvoll: Einerseits erreicht die Flüssigkeit Bereiche in der Mundhöhle, die sich nur schwer mit der Zahnbürste, Zahnseide oder Interdentalbürsten reinigen lassen. Das gilt für enge Zahnzwischenräume genauso wie zum Beispiel für Zahnfleischtaschen. Durch das Spülen werden mechanisch Beläge gelockert. Die antibakterielle Zusammensetzung der meisten Mundspüllösungen tötet Keime und Bakterien wirksam ab. Das Risiko für Karies oder Zahnfleischentzündungen wird damit reduziert. Deshalb wird empfohlen, zweimal täglich zusätzlich zum Zähneputzen eine Minute zu spülen.

Mundspülungen im Test

Doch ist Mundspülung gleich Mundspülung? Stiftung Warentest hat das untersucht und jetzt die besten Mundspülungen für das Jahr 2021 gekürt. Getestet wurden 20 häufig gekaufte Mundspülungen. Davon waren 13 Produkte Mundspüllösungen, die bereits gebrauchsfertig sind und einen keimreduzierenden Effekt haben sollen, und sieben Mundwässer in konzentrierter Form, die vor der Anwendung mit Wasser verdünnt werden müssen und in erster Linie für frischen Atem sorgen sollen.

Besser Mundspüllösung statt Mundwasser

Als Kriterien für die Bewertung wurden die Produkte von Fachleuten auf ihre Wirksamkeit in Sachen Kariespropyhlaxe und Plaquevorbeugung untersucht. Außerdem wurden ihre Nutzerfreundlichkeit sowie die Deklaration und Werbeversprechen zum Produkt beurteilt. In puncto Zahngesundheitsschutz fielen die meisten Mundwässer durch, da sie im Gegensatz zu den Mundspüllösungen, nach ihrer Verdünnung mit Wasser zu wenig Fluorid und andere erforderliche Wirkstoffe enthielten. Allerdings konnten laut Testurteil auch nur sieben der 13 Mundspüllösungen aufgrund mangelnden Fluorids in der Kariesprophylaxe mit „Gut“ abschneiden.

Günstig und gut

Im Gesamturteil schnitten überraschenderweise die günstigsten Mundspülungen am besten ab. So wurden als Testsieger die Eigenmarken von Edeka (Elkos DentalMax Zahnfleischpflege-Mundspülung), Kaufland (Bevola Mundspülung Mint), Lidl (Dentalux Mundspülung Fresh Mint Zähne + Zahnfleisch Intensivschutz), Rossmann (Prokudent Zahn- & Zahnfleisch Mundspülung) und Müller (SensiDent Mundspülung Complete) identifiziert. Sie alle erhielten die Gesamtnote „Gut“. Am schlechtesten mit der Note „Mangelhaft“ schnitt das Naturprodukt Dr. Hauschka Med Salbei Mundspülung ab.

Den ausführlichen Bericht zum Test finden Sie unter www.test.de.

Parodontitis beeinflusst COVID-19-Verlauf

Die Forschung hat bereits gezeigt, dass unterschiedliche Vorerkrankungen einen großen Einfluss auf den Verlauf einer COVID-19-Infektion haben. Jetzt haben Wissenschaftler herausgefunden, dass sich auch eine bestehende Parodontitis für Corona-Patienten negativ auswirken kann.

Was ist Parodontitis?

Parodontitis ist eine bakterielle Entzündung des Zahnhalteapparates (Knochen, Bindegewebe und Zahnfleisch, die die Zähne halten). Sie ist gekennzeichnet durch Zahnfleischtaschen und äußert sich unter anderem durch Zahnfleischbluten und ein gerötetes oder sich zurückbildendes Zahnfleisch. Die Entzündung kann vom Zahnfleisch schließlich auch auf den Knochen übergreifen, der sich immer weiter abbaut, bis die Zähne nicht mehr festgehalten werden können und ausfallen.

Wie wirkt sich Parodontitis auf COVID-19 aus?

Wie Forscher aus Doha, Katar, in einer Datenanalyse (https://doi.org/10.1111/jcpe.13435) von 568 Fällen aus 2020 festgestellt haben, erhöht das Vorkommen einer Parodontitis das Risiko für einen schweren Verlauf. Konkret landeten COVID-19-Patienten mit parodontaler Erkrankung rund dreieinhalbmal öfter auf der Intensivstation und wurden mehr als viermal häufiger an Beatmungsgeräte angeschlossen. Das Risiko, an Corona zu sterben, stieg sogar fast auf das Neunfache.

Grund dafür sei laut der Forscher, dass die COVID-19-Infizierten die schädlichen Parodontitis-Bakterien aus dem Mundraum einatmen und diese sich in der Lunge ausbreiten. Gerade bei Patienten, die beatmet werden, führe das zu einer enormen Verschlechterung des Gesundheitszustands. Ein wichtiger Schritt in der Behandlung dieser Patientengruppe sei deshalb der Einsatz von oralen Desinfektionsmitteln, die die Bakterien effizient bekämpfen.

Parodontitis rechtzeitig erkennen und Gesundheit schützen

Am besten ist es jedoch schon frühzeitig und bewusst auf die eigene Mundgesundheit zu achten. Denn Parodontitis wirkt sich nicht nur negativ auf eine Corona-Erkrankung aus, sondern hat auch einen starken Einfluss auf die Allgemeingesundheit. Parodontale Entzündungen stehen erwiesenermaßen in Wechselwirkung mit verschiedenen anderen Erkrankungen wie dem Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Und nur durch regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt kann eine Parodontitis schnell entdeckt und adäquat behandelt werden.