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Tag der Zahngesundheit 2022: Aktionspaket zum Anfassen und Posten

Zum Tag der Zahngesundheit am 25. September 2022 können Zahnärztinnen und Zahnärzte sowie Zahntechnikerinnen und Zahntechniker das kostenfreie Aktionspaket von proDente nutzen. Passend zum Motto „Gesund beginnt im Mund – in Kita und Schule“ beinhaltet es „phygital“ sowohl Print-Materialien zum Bestellen als auch die Nutzung digitaler Angebote für Website und Social Media rund um die Gruppenprophylaxe.

„Phygital, so informieren sich Menschen heute. Daher verbindet das proDente Aktionspaket zum Tag der Zahngesundheit physische Print-Materialien mit digitalen Informationsangeboten. Das Kunstwort verknüpft somit beide Welten“, erläutert Dirk Kropp, Geschäftsführer von proDente.

Beim diesjährigen Tag der Zahngesundheit dreht sich alles rund um die zahnmedizinische Gruppenprophylaxe. Sie ist das reichweitenstärkste Präventions- und Gesundheitsförderungsangebot für Kinder und Jugendliche in Deutschland. Jährlich nehmen rund 4,6 Millionen Kinder und Jugendliche an der bundesweiten Gruppenprophylaxe zur Erkennung und Verhütung von Zahnerkrankungen teil. Die Gruppenprophylaxe ist somit auch ein Beitrag zur gesundheitlichen Chancengleichheit. Vor allem Kinder aus sozial schwächeren Familien profitieren davon. Denn sie sind häufiger von Karies betroffen.

proDente Print-Material: kostenfreie Kinderbücher

Mit zwei Kinderbüchern rund ums Zähneputzen wendet sich die Initiative proDente an Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter. Denn Zähne ohne Karies sind für eine gesunde Entwicklung von Kindern wichtig. Das zweisprachige Buch „Zähneputzen ist tierisch stark“ in Deutsch und Türkisch erzählt die Geschichte des Jungen Junis, der verschiedenen Tieren mit außergewöhnlichen Zähnen begegnet. Als Junis auf einen Hund trifft, zeigt er, wie gut er seine Zähne schon selber putzen kann. Er weiß sogar ein Gedicht, das beim Zähneputzen hilft.

Die Geschichte im neu aufgelegten und vollständig überarbeiteten Buch „Zahnbande“ dreht sich um die Abenteuer einer wilden Bande und kommt dabei ganz ohne Text aus. Neu: Neben dem arabischen gibt es jetzt auch einen ukrainischen Untertitel! Zwei süße Monster achten in der Geschichte besonders auf das Zähneputzen. Am Ende des Buchs steckt sogar ein wasserfester Streifen. Auf diesem Streifen ist der richtige Ablauf des Zähneputzens einfach dargestellt. Die kleinen Leser können ihn in den Zahnputzbecher stecken oder auch auf den Badezimmer-Spiegel aufkleben. 

Digitale Angebote für Websites und Social Media

proDente unterstützt Zahnärztinnen und Zahnärzte sowie Zahntechnikerinnen und Zahntechniker zum Tag der Zahngesundheit auch digital. Unter der kürzlich aktualisierten Website www.zahnbande.de präsentiert die Initiative kleine Geschichten, Filme, Spiele, Animationen und Ausmalbilder zu gesunden Zähnen für Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter. Zahnarztpraxen und zahntechnische Innungsbetriebe können die Website auf der eigenen Homepage mit einem Link einbinden oder für Bildschirme und iPads als Kinder-Startseite nutzen. Für Websites und Social Media bietet proDente Illustrationen, Animationen und GIFs mit Motiven für Kinder. Zudem können Zahnärztinnen und Zahnärzte sowie Zahntechnikerinnen und Zahntechniker GIFs auf Twitter oder Instagram für eigene Posts mit dem Keyword „proDente“ oder “TdZ2022“ einbinden. In der Auswahl einfach nach diesen Keywords suchen. Nähere Informationen im Aktionspaket.

Kostenfreies Aktionspaket bestellen

Bis zum 25.09.2022 können niedergelassene Zahnärztinnen und Zahnärzte sowie zahntechnische Innungsbetriebe das kostenfreie Aktionspaket „Tag der Zahngesundheit 2022“ unter der Telefonnummer 01805/552255 bestellen. Alternativ genügt auch eine Bestellung mit vollständiger und lesbarer Adresse per Fax an 0221/170 99 742 oder per E-Mail an info@prodente.de – so lange der Vorrat reicht.

Weitere Informationen unter www.prodente.de und www.tagderzahngesundheit.de

Zahnärztliche Behandlungen: Anträge jetzt digital möglich

Dentale Baustelle

Zahnärztliche Praxen können Behandlungen jetzt digital bei der Krankenkasse beantragen und anzeigen. Das bisherige Verfahren wird dadurch deutlich effizienter, einfacher und schneller. GKV-Spitzenverband und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) hatten sich hierzu auf das Elektronische Beantragungs- und Genehmigungsverfahren – Zahnärzte (EBZ) verständigt. Eine sechsmonatige Pilotphase wurde am 30. Juni 2022 erfolgreich abgeschlossen, am 1. Juli ist der Echtbetrieb in den Zahnarztpraxen gestartet. Innerhalb des ersten Monats nutzten schon 2.791 Praxen das neue Verfahren. Noch bis zum Jahresende besteht die Möglichkeit, das EBZ im Praxisalltag kennenzulernen, bevor es zum 1. Januar 2023 als einzig mögliches Antragsverfahren für alle Zahnarztpraxen verpflichtend wird. Bereits jetzt können alle Krankenkassen die digitalen Anträge bearbeiten. In der Pilotphase wurden rund 5.000 Anträge digital gestellt und bearbeitet, seit 1. Juli sind noch fast 50.000 hinzugekommen (Stand: 2. August). Pro Tag sind es aktuell rund 2.000 Anträge, die mit dem EBZ bearbeitet werden.

Dr. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands: „Die Digitalisierung des zahnärztlichen Antragsverfahrens ist ein entscheidender Schritt. Alle Beteiligten – von den Praxen über die Patientinnen und Patienten bis zu den Kassen – sparen dadurch Zeit und Aufwand, haben also einen echten Mehrwert. Genau deswegen wollen und müssen wir die Digitalisierung in allen Bereichen des Gesundheitswesens vorantreiben. Besonders freut mich die sehr gute Zusammenarbeit mit der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, mit der wir bei der Umsetzung konsequent an einem Strang gezogen haben.“

Martin Hendges, stellv. Vorsitzender des Vorstandes der KZBV: „Bei der Umsetzung des EBZ haben wir bewusst großen Wert daraufgelegt, nicht lediglich Papierformulare zu digitalisieren und die lästige Zettelwirtschaft ressourcenschonend zu beenden, sondern die komplette Antragsstrecke so aufzusetzen, dass spürbare Verbesserungen der Genehmigungs- und Dokumentationsprozesse realisiert werden. Auf diese Weise werden auch Bürok ratie und kleinteilige Arbeitsschritte im Praxisalltag spürbar reduziert und gleichzeitig höchsten Ansprüchen an den Datenschutz entsprochen. Die Vorteile, die mit dem EBZ einhergehen, sind unter anderem Zeitersparnis, eine schnellere Genehmigung, die Vermeidung von Medienbrüchen, eine sichere Datenübertragung und -verarbeitung sowie eine optimierte Terminplanung. Herausstellen möchte ich insbesondere auch die lösungsorientierte und transparente Zusammenarbeit mit den Krankenkassen sowie den Herstellern von Praxisverwaltungssoftware, die hier – ohne die Beteiligung der gematik – aus Versorgung und Selbstverwaltung heraus eine großartige und im Praxisalltag erprobte Anwendung mit vielen Vorteilen für alle Beteiligten entwickelt haben.“

Entlastung für Praxen, Kassen und Versicherte

Die Digitalisierung des Verfahrens betrifft vor allem Heil- und Kostenpläne (HKP) bei Zahnersatz. Patienten wird durch das EBZ künftig nicht mehr der herkömmliche und für Laien sehr komplexe HKP ausgehändigt. Vielmehr erhalten sie eine Ausfertigung mit allen relevanten Inhalten in allgemeinverständlicher Form. Diese beinhaltet auch die erforderlichen Erklärungen des Versicherten bezüglich Aufklärung und Einverständnis mit der geplanten Behandlung. Weitere Therapien, die digital beantragt und angezeigt werden, sind die kieferorthopädische Behandlung sowie die Behandlung von Kieferbruch und von Kiefergelenkserkrankungen. Ab dem Jahr 2023 kommt dann auch die Behandlung von Parodontalerkrankungen dazu. Dann sind keinerlei Anträge auf Papier mehr möglich.

Bearbeitungsdauer deutlich verkürzt

Bei der Umsetzung des EBZ wurde darauf geachtet, möglichst sämtliche Anwendungsfälle in der Zahnarztpraxis zu berücksichtigen und die technische Umsetzbarkeit sicherzustellen. Die PVS- Hersteller wurden hierzu insbesondere auch durch das Engagement des Verbandes der deutschen Dentalsoftware Unternehmen (VDDS) von Beginn an umfassend in das Projekt einbezogen.

Die digitalen Anträge werden datensicher über den Dienst Kommunikation im Medizinwesen (KIM) ausgetauscht. Die Praxis hat alle Anträge digital vorliegen, die direkt von der Praxis an die Krankenkasse übermittelt werden. Bei der Kasse wird der Antrag geprüft und die Antwort ebenfalls per KIM zurück an die Praxis gesandt. Dies kann künftig beispielsweise noch am selben Tag geschehen. Bislang dauert die Bewilligung eines Heil- und Kostenplans für Zahnersatz deutlich länger. Patientinnen und Patienten bekommen auch weiterhin schriftliche Informationen über Kosten und Details der geplanten Behandlung von ihrer Praxis ausgehändigt. Von der Kasse erhalten sie einen schriftlichen Bescheid über die Kostenübernahme. Patienteninformation und Bescheid sind wichtige Dokumente für eine eventuell bestehende Zusatzversicherung.

Insgesamt bringt die Einführung des EBZ einen deutlichen Schub in der Digitalisierung des zahnärztlichen Bereiches mit sich, von dem auch die Telematikinfrastruktur enorm profitieren wird, da deren Nutzen für Zahnarztpraxen bisher sehr überschaubar war. Darüber hinaus hat die erfolgreiche Entwicklung des EBZ-Verfahrens große Aufmerksamkeit und Interesse auch innerhalb der Ärzteschaft erfahren, sodass hier vielleicht ein Modell realisiert wurde, das im Gesundheitswesen Schule machen könnte. In jedem Fall profitiert davon die bereits sehr gute zahnärztliche Patientenversorgung und die administrative Organisation des Praxis-Alltags.

Herkunft: KZBV/GKV Spitzenverband

Quelle: https://www.zwp-online.info/zwpnews/dental-news/branchenmeldungen/zahnarztliche-behandlungen-antrage-jetzt-digital-moglich

Lohnfortzahlung bei Reise in ein Hochrisikogebiet?

Wer seinen Urlaub in einem als Corona-Hochrisikogebiet ausgewiesenen Land verbringt und im Anschluss an Corona erkrankt, hat seine Erkrankung nicht im Sinne von § 3 Abs. 1 Satz 1 Entgeltfortzahlungsgesetz verschuldet, wenn die Inzidenz im gleichen Zeitraum am Wohn- und Arbeitsort bzw. in Deutschland höher liegt. Die Wertung des § 56 Abs. 1 Satz 4 IfSG (Infektionsschutzgesetz) findet keine Anwendung. Dies hat das Arbeitsgericht Kiel am 27. Juni 2022 entschieden (5 Ca 229 f/22).

Die dreifach geimpfte Klägerin reiste im Januar/Februar 2022 in die Dominikanische Republik. Diese war vom Robert-Koch-Institut im Januar 2022 als Hochrisikogebiet ausgewiesen worden. Am Abflugtag lag dort die Inzidenz bei 377,7 und in Deutschland bei 878,9. Rund eine Woche nach Beendigung der Reise war die Inzidenz in der Dominikanischen Republik auf 72,5 gefallen und in Deutschland auf 1.465,4 gestiegen. Im direkten Anschluss an die Reise wurde die Klägerin positiv auf Corona getestet und legte der Arbeitgeberin eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vor. Diese erkannte die Beklagte nicht an und leistete für den ausgewiesenen Zeitraum keine Entgeltfortzahlung. Die Klägerin sei mangels Symptomen nicht arbeitsunfähig gewesen und habe die Erkrankung durch ihren Reiseantritt schuldhaft herbeigeführt. Mit ihrer Klage macht die Klägerin vor Gericht erfolgreich Entgeltfortzahlung geltend.

Das Arbeitsgericht führt aus, dass ein Arbeitnehmer auch dann arbeitsunfähig ist, wenn er symptomlos Corona-positiv getestet ist und nicht im Homeoffice tätig sein kann. Im Übrigen lässt die Information der Klägerin an die Arbeitgeberin, dass es ihr ganz gut gehe, den hohen Beweiswert der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nicht entfallen. Die gegen die Klägerin angeordnete Quarantäne schließt den Entgeltfortzahlungsanspruch nicht aus.

Insbesondere hat die Klägerin ihre Arbeitsunfähigkeit auch nicht verschuldet. Dies setzt einen groben Verstoß gegen das Eigeninteresse eines verständigen Menschen voraus. Dies entspricht nicht der Wertung des § 56 Abs. 1 Satz 4 IfSG. Jedenfalls dann, wenn die Inzidenzwerte im Urlaubsgebiet nicht deutlich über den Inzidenzwerten des Wohn- und Arbeitsortes bzw. der Bundesrepublik Deutschland liegen, verstößt der Arbeitnehmer nicht in grober Weise gegen sein Eigeninteresse. Die Reise in das Hochrisikogebiet geht in diesen Fällen nicht über das allgemeine Lebensrisiko hinaus.

Die Berufung ist wegen grundsätzlicher Bedeutung zugelassen worden. Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig.

Quelle: Landesportal Schleswig-Holstein

Quelle: https://www.zwp-online.info/zwpnews/wirtschaft-und-recht/recht/lohnfortzahlung-bei-reise-in-ein-hochrisikogebiet

Ästhetik braucht Zeit: Multidisziplinärer Fall von Engstand

Frau mit schönen Zähnen

Die Schönheit von Gesichtern ist von besonderer Bedeutung, denn sie haben einen besonderen Stellenwert in der zwischenmenschlichen Kommunikation: Gesichter drücken Emotionen aus und haben daher automatisch eine hohe Wertigkeit. Der Wunsch vieler Patienten nach Ästhetik ist heute gefragter denn je. In diesem Artikel werde ich einen multidisziplinären Fall von Engstand vorstellen.

Um die gewünschte Ästhetik in Fällen mit Engstand zu realisieren, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Erstens, wir können die Zähne präparieren, um ein sofortiges Ergebnis zu erhalten. Jedoch mit großzügigem Verlust der Zahnsubstanz. Dabei bleibt die Frage bestehen, ob wir damit wirklich das Maximum der Ästhetik erreichen können.

Die zweite Möglichkeit ist, einen schwierigen Fall mithilfe einer Aligner-Behandlung in einen sehr viel einfacheren Fall zu verwandeln. Somit wird die restaurative Seite erleichtert. Mit diesem Patientenbeispiel möchte ich zeigen, wie einfach und substanzschonend wir die Ästhetik weiterentwickeln können. Aber Ästhetik braucht Zeit für die Vorbehandlung.

Patientenfall

Ausgangssituation

Es lag ein tiefer Biss mit Engstand im Oberkiefer vor, der zudem eine v-förmige Kurve aufwies. Das Gebiss wies außerdem Zahnschmelzfrakturen auf und insgesamt lag ein Gummy Smile vor. Man hätte in diesem Fall direkt präparieren können, wenn auch mit allen Konsequenzen, die daraus entstanden wären – irreversibler Zahngewebeverlust.

Behandlungsverlauf

Aber um ein optimales Ergebnis zu erreichen und eine minimale Präparation zu ermöglichen, wurde hier eine Vorbehandlung mit Inman Aligner mit Expander durchgeführt. Damit wurden die Zähne begradigt und die v-förmige Kurve des Oberkiefers korrigiert. Inman Aligner ist eine Spange, die für die Frontzähne geeignet ist und viele Vorteile mit sich bringt:

Es handelt sich nur um ein Gerät, was kostensparend ist. Die Behandlungsdauer mit Inman Aligner ist atemberaubend kurz und beträgt acht bis 14 Wochen. Die Tragedauer beträgt 16 bis 18 Stunden pro Tag, was für die Patienten ein signifikanter Vorteil ist. Für eine richtige Planung erfolgt die Untersuchung, Fotos, Abdrücke, Röntgenbilder und ein Ortodontic Assessment. Nach der Modellanalyse wurde ein Referenzpunkt festgestellt, der sich während der Behandlung nicht ändert. Es wird eine neue Kurve zwischen drei Punkten gezeichnet. In diesem Fall zwischen den Eckzähnen und Zahn 21 mittig. Je mehr Informationen das Labor erhält, umso einfacher ist die Planung. All diese Informationen werden an das Labor geschickt. Innerhalb von zwei bis drei Tagen bekommen wir ein Set-up und die digitale Behandlungsplanung. Dies wird kontrolliert und eventuell werden kleine Änderungen notiert oder die Planung wird sofort akzeptiert.

14 Tage später wird Inman Aligner eingesetzt. In diesem Fall betrug der Engstand 2,2 mm. Dieser wurde durch IPR (Interproximal Reduction) und PPR (Progressive Proximal Reduction) korrigiert, im zweiwöchigen Rhythmus. Die Behandlungsdauer betrug hierbei 14 Wochen. Nach Abschluss der Aligner-Behandlung war das Ergebnis wie gewünscht: Der Engstand wurde beseitigt und die Kurve wiederhergestellt. Ab diesem Zeitpunkt ist die Planung der restaurativen Behandlung viel einfacher.

Der Patientin wurden zwei Möglichkeiten vorgeschlagen:

  • Composite Contouring
  • Keramikveneers mit minimalinvasiver Präparation

Es wurde ein „Motivational Mock-up“ durchgeführt, das die erwartete positive Reaktion der Patientin und die Zusage für die Veneer-Versorgung als Folge hatte. Das Gummy Smile wurde durch Gingivektomie mithilfe einer Schiene verbessert. Die Wunschfarbe von A2 zu A1 haben wir durch Bleaching erreicht. Drei Wochen nach dem Bleaching wurde die Farbe vor der Präparation erneut geprüft.

Die Präparation wurde anhand des Mock-ups mit dem Präparationsset (nach Attilio Sommella, Horico) durchgeführt. Für die sichere und passgenaue Tiefe wurde ein Markierer benutzt. Die Form der Diamant-Tiefenmarkierer sorgt für eine streng definierte, gleichmäßige und sichere Abtragstiefe für eine stabile Konstruktion der Veneers. Für die Tiefe sind folgende Werte empfehlenswert:

  • 0,3 mm zervikal
  • 0,5 mm labial
  • 1 mm inzisal

Nach der Präparation wurde die Patientin mit provisorisch verblockten Veneers in der Farbe A1 versorgt. Das Provisorium ersetzte zudem die Funktion als Retainer für die Zeit, bis die Veneers fertig waren. Die Gingivaform des Provisoriums haben wir nach der endgültigen Form gestaltet und zum Schluss das Provisorium als funktionelles Mock-up benutzt. Eine Woche später wurde der Abdruck genommen. In unserer Praxis wird grundsätzlich kein Abdruck direkt nach der Präparation erstellt, sondern ein paar Tage später, damit Zeit genug für das „funktionelle Mock-up“ ist. Falls Änderungen notwendig sind, kann man diese immer noch in diesem korrigieren und nicht erst dann, wenn die Veneers erstellt sind.

Die Gingiva hat sich nach dieser Zeit außerdem erholt und der Abdruck ist dementsprechend besser. Gleichzeitig bekommen die Patienten ein Rezept für Dontisolonsalbe, die sie zu Hause zweimal täglich auf die Gingiva auftragen. Somit ist die Gefahr, dass das Zahnfleisch bei der adhäsiven Befestigung blutet, beseitigt.

Die Veneers wurden im Labor von Zahntechniker Mario Pace mit CeltraCeram (Dentsply Sirona) angefertigt. Die adhäsive Befestigung wurde unter maximalen Vorsichtsmaßnahmen mit Variolink Veneer Light (Ivoclar) durchgeführt, da die Bruchgefahr sehr hoch ist . Ein sehr wichtiger Aspekt ist die Retention nach der Behandlung.

Nach erfolgreicher Therapie ist es möglich, dass Zähne in ihre alte Stellung zurückwandern und ein Rezidiv entsteht. Die Retention wurde in diesem Fall doppelt, mit Fix-Retainer und Essix-Retainer für die Nacht, realisiert. Generell bleibt die palatinale Fläche bei Veneers frei, wodurch die Retention auf Dauer mit Fix-Retainer möglich ist. Er dient zur langfristigen Stabilisierung der korrekten Zahnstellung nach Abschluss der aktiven kieferorthopädischen Behandlung.

Fazit

Zum Abschluss der Behandlung gehört natürlich auch ein Fotoshooting dazu. In unserer Praxis werden die Nachher-Fotos nicht direkt nach der adhäsiven Befestigung, sondern ganz entspannt drei und vier Wochen später, gemacht. Somit sind keine blutenden Stellen oder Zementreste auf den Fotos sichtbar. Nach fast sechs Monaten wurden die Ziele der Behandlung zur vollsten Zufriedenheit der Patientin und des Teams erreicht. Denn: Ästhetik braucht Zeit.

Dieser Beitrag erschien in der Cosmetic Dentistry.

Quelle: https://www.zwp-online.info/fachgebiete/digitale-zahnmedizin/navigation/ein-schones-lacheln-hat-viele-facetten

PAR-Therapie: Auf Verbesserung folgt Verschlechterung

Chronische Volkskrankheit Parodontitis

Erst seit Juli 2021 kann die Volkskrankheit Parodontitis (PAR) mit einer State-of-the-Art-Behandlung in der GKV durch die neue PAR-Behandlungsstrecke angegangen werden. Diese war das Ergebnis langer fachlicher Beratungen der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). Mit etwa 35 Millionen an einer Parodontitis Erkrankten in Deutschland und einer bereits vor Jahren festgestellten Unterversorgung war sie dringend notwendig. Dass diese Unterversorgung keine Lappalie war, liegt eben auch an der Bedeutung der chronischen Erkrankung Parodontitis als auslösender oder adjuvanter Faktor für gewichtige Allgemeinerkrankungen.

Auch durch die Aufklärungskampagne der Bundeszahnärztekammer paro-check.de gibt es nun eine gesteigerte Nachfrage nach Parodontitisbehandlungen in den Praxen.

Die chronische Erkrankung ist mit der neuen PAR-Behandlungsstrecke gut in den Griff zu bekommen, Schlimmeres kann verhindert werden. Prävention par excellence!

Allerdings soll dieser positive Trend nun schon wieder gestoppt werden. Die Gesetzespläne zum GKV-Finanzstabilisierungsgesetz (GKV-FinStG) setzen mit Sparmaßnahmen ausgerechnet an der Patientenversorgung an. Auch die neuen parodontologischen Behandlungen fallen in die geplante Budgetierung. Die PAR-Therapie wird dadurch gleich wieder ausgebremst. „Diesen langen und schweren Zug gleich an der ersten Steigung anzuhalten, riskiert, dass er gar nicht mehr anfahren kann“, so BZÄK-Präsident Prof. Dr. Christoph Benz. „Derzeit bereits für den Patienten genehmigte Leistungen der mehrjährigen Leistungsstrecke könnten unter der GKV-FinStG-Budgetierung dann nicht mehr erbracht werden. Auch ein Behandlungsbeginn bei neuen Patientinnen und Patienten wäre kaum noch möglich. Die BZÄK appelliert an das Bundesgesundheitsministerium, die Gesetzespläne zu modifizieren, es gibt etliche bessere Hebel, die Kosten zu senken. Strukturelle Änderungen oder bürokratische, unnötige Aufwendungen können den Haushalt entlasten.“

Die Zahnmedizin ist kein Kostentreiber im GKV-System. Seit 1980 ist ihr Anteil an den Gesamtausgaben um 58 Prozent gesunken. Hier zahlt sich Prävention direkt aus.

Große Gewinne werden hingegen an anderer Stelle aus dem Sozialsystem getragen: Ausländische Private–Equity-Unternehmen führen regelmäßig Gewinne aus Deutschland ab, häufig in Steueroasen. Fremdinvestoren mit ausschließlichen Kapitalinteressen sollten umgehend von Gründung und Betrieb medizinischer Versorgungszentren ausgeschlossen werden. Die ambulante Patientenversorgung durch niedergelassene Zahnärztinnen und Zahnärzte hingegen ist Fürsorge und Prävention statt Kostenfaktor.

Gemeinsame Stellungnahme zum Referentenentwurf eines GKV-FinStG

Quelle: Bundeszahnärztekammer

Quelle: https://www.zwp-online.info/zwpnews/dental-news/branchenmeldungen/verbesserung-folgt-verschlechterung

DGZMK: Zucker wird als dosisabhängiges Gift betrachtet

Ernährung unter medizinischen und zahnmedizinischen Aspekten.

Es kommt nicht so häufig vor, dass Medizin und Zahnmedizin am selben Strang ziehen. Aber beim Thema Ernährung liegen die Gemeinsamkeiten wissenschaftsbasiert auf der Hand. Denn ernährungsassoziierte Erkrankungen sind mittlerweile so verbreitet, dass sie die Hauptursache aller Todesfälle weltweit darstellen. Auch den Mundraum verschonen sie nicht. Und das ist keineswegs trivial, denn eine Parodontitis etwa hat erwiesenermaßen weitere direkte Auswirkungen auf die systemische Erkrankung Diabetes Mellitus. Inzwischen werden über ein Drittel aller Kosten im Gesundheitssystem durch nichtübertragbare Erkrankungen (NCDs; engl. non-communicable diseases) verursacht. Medizin und Zahnmedizin identifizieren in der Ursachenforschung unter anderem einen gemeinsamen Grund: den wachsenden Zuckeranteil in unserer Nahrung.

Zuckerkonsum sorgt für dramatische Zahlen

Das wurde auf der Online-Pressekonferenz „Ernährung – ideale Schnittstelle zwischen Medizin und Zahnmedizin“ der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) deutlich. „Der stetig steigende Zuckeranteil in der Ernährung ist einer der wichtigsten Gründe für diese dramatischen Zahlen. Zucker wird heute als dosisabhängiges Gift betrachtet“, erklärte dort der Ernährungsmediziner und Diabetologe Dr. Matthias Riedl (Hamburg).

„Die Vielzahl an gesundheitlichen Folgen eines hohen Zuckerkonsums erstreckt sich in ein erhöhtes Entzündungspotenzial von Zahn, Zahnfleisch, Gelenken, der Haut und anderer Organe“, so Riedl. „Des weiteren wird das Immunsystem geschwächt und die Infektanfälligkeit erhöht sich. Magen- und Darmbeschwerden werden gefördert. Die Darmflora leidet unter hohem Zuckerkonsum. Sogar Schlafprobleme können auftreten.“

Zu den bekanntesten gesundheitlichen Risiken gehöre Diabetes Mellitus Typ 2. Es werde vermutet, dass schon 2040 etwa 12,3 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt sein werden, wenn sich der Zuckerkonsum nicht verringere. Beschleunigte Arterienverkalkung mit hoher Infarktgefahr sei eine der wichtigsten Folgen des Diabetes Mellitus. Riedl nannte dabei erschreckende Zahlen: „Rund 70 Prozent der 60.000 Amputationen in Deutschland werden bei Menschen mit Diabetes durchgeführt.“

Ernährung auch für Mundraum wichtig

„Ernährung spielt für den gesunden Mundraum eine ebenso entscheidende Rolle, wie sie es auch für den intakten Gesamtorganismus tut“, führte DGZMK-Präsident Prof. Dr. Roland Frankenberger (Uni Marburg) aus. „Zucker stellt dabei zweifelsfrei den klassischen ‚Common Risk Factor‘ dar, der Zahnmedizin und Medizin vereint wie kein zweiter Stoff. Das Paradebeispiel ist dabei der Einfluss von Zucker auf die Kariesentstehung.“

Frankenberger: „Ohne Zucker keine Karies – so einfach ist das!“ Auch mit Zucker wäre Karies kein Problem, wenn alle Menschen im Rahmen der häuslichen Mundhygiene ihre Zähne zu 100 Prozent sauberputzten. Ohne bakteriellen Biofilm könne keine Karies entstehen, weil immer Zucker UND Bakterien vorhanden sein müssten. „Das Problem ist: Hundert Prozent saubere Zähne sind eine Illusion, und daher ist ein vernünftiger Umgang mit zuckerhaltiger Ernährung aus kariologischer Sicht extrem wichtig“, machte der DGZMK-Präsident deutlich.

Gebisse vor Jungsteinzeit kaum Karies

Die Warnung vor hohem Konsum der problematischen Substanz hat heute schon deshalb ihre Relevanz, weil der Zuckerkonsum von unter einem Kilogramm pro Kopf pro Jahr vor dem Jahr 1800 im Rahmen der Industrialisierung auf über 30 kg pro Kopf pro Jahr regelrecht explodiert ist. Mit verheerenden Folgen. Prof. Dr. Johan Peter Wölber (Uni Freiburg): „Während archäologische Funde von Gebissen vor dem Neolithikum und Gebisse von wildlebenden Tieren kaum Karies aufweisen, zeigen moderne Bevölkerungen in Industrienationen erheblich erhöhte Prävalenzen an Karies.“

 „Neuere zusammenfassende Untersuchungen zeigen, dass der Zuckerkonsum auch zur Entstehung einer Gingivitis beiträgt und mit mehr Parodontitis assoziiert ist“, erläuterte Wölber. Neuere Interventionsstudien, die eine Zuckervermeidung der Probanden beinhalteten, konnten sogar trotz gleichbleibendem oder vermehrtem Zahnbelag eine Reduktion der Zahnfleischentzündung zeigen.

Gesundheitspolitik gefordert

Die Quintessenz der Wissenschaftler: Die Gesundheitspolitik ist in Sachen Zuckervermeidung dringend gefordert, etwa im Sinne der Verhältnisprävention. Konkret wurden Werbeverbote, Zuckersteuer, verminderte Präsentation und bessere Kennzeichnung in Supermärkten genannt. Angesichts der großen wissenschaftlichen Evidenz zu den krankmachenden Folgen hohen Zuckerkonsums sei der Gesetzgeber hier in seiner Fürsorgepflicht gefordert.

Aber auch der Einzelne kann bereits vieles tun. Dr. Matthias Riedl hat mit seiner myFoodDoctor-App ein Werkzeug entwickelt, das dem Nutzer hilft, zu einer ausgewogenen und gesunden Ernährung zu gelangen. Der Nutzer trackt mit der App vier Tage lang seine Essgewohnheiten und erhält anschließend eine ausführliche Analyse der verzehrten Nahrungsmittel, einschließlich des Zuckerkonsums, sowie konkrete Ratschläge für ein ausgewogenes und gesundes Essverhalten. Viele Nutzer konnten so bereits auf Insulinspritzen verzichten oder sind nun nicht mehr auf Bluthochdruckmedikamente angewiesen. Mehr Informationen dazu finden sich auf myfooddoctor

Quelle: https://dzw.de/ernaehrung-weniger-zucker

Gesunde Kinderzähne – Prophylaxe statt Bohren

Bereits im Säuglingsalter legen Eltern den Grundstein für eine gute Mundgesundheit ihrer Kinder. Denn eine gute Zahnprophylaxe verringert die Kariesbelastung der Milchzähne.

Dies bedeutet auch ein geringeres Kariesrisiko bei den bleibenden Zähnen [1,2]. Auch wenn die Verbreitung von Karies bei Kindern in Deutschland in den letzten Jahren gesunken ist, so gibt es immer noch Verbesserungspotenzial, insbesondere hinsichtlich der Vorbeugung frühkindlicher Karies bei Kindern bis drei Jahren sowie den häuslichen Prophylaxemaßnahmen bei älteren Kindern. Die richtige Zahnbürste, Apps und Mundspülung können eine erfolgreiche Mundgesundheit unterstützen.

Status quo der Zahngesundheit bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland

Erkenntnisse aus dem BARMER-Krankenkassen-Zahnreport [3] von 2020 deuten darauf hin, dass Karies im Kindesalter sogar bis dato noch unterschätzt wurde. Dem Report nach sind gerade einmal 38 % der 10-jährigen Kinder ohne jegliche zahnärztliche Behandlungserfahrung, wie bspw. Füllungen, bezogen auf Milchzähne und bleibende Zähne [3]. Demnach besteht eindeutiger Handlungsbedarf für eine gründlichere Prophylaxe. Diese fängt bereits im Elternhaus mit einer gründlichen und altersgerechten Zahnvorsorge an.

Die vier Säulen effektiver Kariesprävention bei Kindern

Bei Kindern zahlt sich eine gute Kariesprophylaxe auch im weiteren Leben aus, denn wenn die Milchzähne frei von Karies bleiben, dann besteht auch ein geringeres Risiko für eine Kariesbelastung bei den bleibenden Zähnen [1,2]. Gesunde Kinderzähne brauchen daher eine effektive Kariesvorbeugung. Diese basiert grundsätzlich auf den folgenden vier Säulen [1]:

✓ Der Anwendung der richtigen Menge an Fluorid und Vitamin D,

✓ einer gewissenhaften und altersgemäßen Zahnreinigung durch die Eltern ab dem ersten Milchzahn (mind. unterstützend bis zum 7. Lebensjahr)

✓ einer gesunden, kindgerechten und zahnschonenden Ernährung

✓ sowie dem regelmäßigen Besuch zur zahnärztlichen Vorsorgeuntersuchung.

Für Kinder und Jugendliche ist es wichtig, die Zähne zweimal täglich mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta zu putzen und die Zahnzwischenräume gründlich zu reinigen. Vor allem junge Menschen mit einer festen Zahnspange sollten auf eine sehr gute Mundhygiene achten und können zusätzlich zum Putzen, Zahnseide oder Interdentalbürstchen und eine Mundspülung mit antibakterieller Wirkung, wie bspw. Listerine Clean & Fresh (ohne Alkohol) verwenden.

Das 1×1 erfolgreicher Mundgesundheit bei Kindern: Zahnbürste, Apps und Mundspülung

Die Kinder von heute wachsen in einer digitalen Welt auf. Es ist also naheliegend, dass digitale Helfer, wie Zahnputz-Apps oder auch Videos auf YouTube oder in sozialen Medien als Unterstützung und Motivation zur täglichen Zahnpflege herangezogen werden können. Die Auswahl der Apps und Videos ist allerdings sehr groß und sollte vor der Benutzung von den Eltern auf ihre Nützlichkeit individuell geprüft werden.

Ab dem sechsten Geburtstag können Mundspüllösungen eine gute Bereicherung zur häuslichen Prophylaxe sein. Bei Kindern mit erhöhtem Kariesrisiko, bei Zahnfleischproblemen, wie sie häufig bei Zahnspangenträgern auftreten, kann die tägliche Mundhygiene verbessert werden. Die Mundspülungen enthalten Fluorid und/oder antibakteriell wirkende Stoffe, die die Mundhygiene verbessern können [4].

Listerine Clean & Fresh mit Fluorid für starke Zähne

Für Kinder ab 6 Jahren kann eine milde Mundspülung bei der häuslichen Prophylaxe unterstützend sein. So erreicht bspw. die Listerine Clean & Fresh Mundspülung auch die Stellen, welche die Zahnbürste verpasst – auch zwischen der Zahnspange. Die Mundspüllösung entfernt 97 % der nach dem Zähneputzen verbliebenen Bakterien*, der Zahnbelag wird reduziert, womit Zahnfleischproblemen vorgebeugt werden kann.

Listerine Clean & Fresh ist eine klinisch geprüfte Mundspülung. Besonders der milde Minzgeschmack und die Rezeptur mit Fluorid – selbstverständlich ohne Alkohol – macht die Mundspüllösung zur perfekten Ergänzung. Vor allem junge Zahnspangenträger profitieren von der Reinigung. Auch an die Umwelt wurde mitgedacht: Die Flaschen sind zu 100 % recycelbar und bestehen zu 50 % aus recyceltem Kunststoff**.

* Erhobene Daten von Nicht-Zahnspangenträgern.

** Sicherheitssiegel ausgenommen. Umwelt-Tipp: mit geschlossenem Deckel auf der Flasche entsorgen. Literatur

Literatur:

  1. Berg B, Cremer M, Flothkötter M, Koletzko B, Krämer N, Krawinkel M, Lawrenz B, Przyrembel H, Schiffner U, Splieth C, Vetter K, Weißenborn A. Kariesprävention im Säuglings- und frühen Kindesalter. Handlungsempfehlungen des bundesweiten Netzwerks Gesund ins Leben. Monatsschreiben Kinderheilkunde. 2021, 169.
  2. Wie werden Milchzähne von Anfang an geschützt?
    [Netzwerk Gesund ins Leben] https://www.gesund-ins-leben.de/fuer-fachkreise/bestens-unterstuetzt-durchs-1-lebensjahr/nachgefragt/wie-werden-die-milchzaehne-von-anfang-an-bestmoeglich geschuetzt/#:~:text=Vorteile%20von%20kariesfreien%20Milchz%C3%A4hnen&text=Insbesondere%20Kinder%20au : s.n., 2022.
  3. Michael Rädel, S. B.-W. (2020). BARMER Zahnreport 2020. Zahngesundheit bei Kindern und Jugendlichen. Berlin: BARMER.
  4. Zimmer, Prof. Dr. Stefan. Fluoridierung bei Kindern: Was ist aktuell? s.l. : Plaque N Care. Für den Zahnarzt und sein Team., 2019.

Quelle: https://dentalmagazin.de/praxiszahnmedizin/kinderprophylaxe/prophylaxe-statt-bohren/

Zahncremes im großen Check – Kritik an Titandioxid

Regelmäßiges Putzen ist wichtig für gesunde Zähne. Welche Zahncremes sich dafür am besten eignen, hat die Stiftung Warentest für die Juli-Ausgabe der Zeitschrift test untersucht. Von 31 getesteten Pasten schützen 4 nicht ausreichend vor Karies, ihnen fehlt Fluorid. Viele andere enthalten den kritischen Farbstoff Titandioxid. Fünf sehr gute Zahncremes kommen ohne diesen aus.

Das strahlende Weiß der Zahnpasta erreichen die Hersteller häufig mit dem Farbstoff Titandioxid. Doch ab August 2022 ist das Pigment EU-weit in Lebensmitteln verboten. Es steht im Verdacht, das Erbgut zu schädigen, wenn es in den Körper gelangt. In Kosmetika ist es weiterhin erlaubt. Von den 31 getesteten Zahncremes enthalten 21 Titandioxid. Da Zahncreme beim Putzen zum Teil verschluckt werden kann und Titandioxid für die Zahnpflege unnötig ist, rät die Stiftung Warentest aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes zu Zahnpasten ohne den Farbstoff.

Für unverzichtbar hält das Expertenteam der Stiftung Warentest dagegen Fluorid. Es stärkt den Zahnschmelz und macht ihn widerstandsfähiger gegen Säuren, die von Plaque-Bakterien gebildet werden. In vier Zahncremes ist der wichtigste Inhaltsstoff zur Kariesvorbeugung nicht enthalten. Die Tester bewerten sie daher mit mangelhaft. Immerhin fünf Pasten sind sehr gut. Sie beugen sehr gut Karies vor und beinhalten kein kritisches Titandioxid. Die günstigsten kosten sogar weniger als 1 Euro pro 100 Milliliter: Dontodent Zahncreme antibakteriell von dm und Bevola Zahncreme fresh von Kaufland.

Die ausführlichen Ergebnisse zum Zahnpasta-Test finden sich in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift test und unter www.test.de/zahnpasta.

 


Quelle: Stiftung Warentest

Gute Mundgesundheit minimiert Risiko negativer Schwanger­schaftsverläufe

Der Mund wird oft als „Tor zum Körper“ und „Spiegel der Gesundheit“ bezeichnet, da er so viel über den allgemeinen Gesundheitszustand einer Person aussagt. Im Jahr 2021 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Erklärung verabschiedet, die unterstreicht, dass der Erhalt eines gesunden Mundraums das Risiko weitreichenderer Gesundheitsprobleme verringern kann. Gerade für schwangere Frauen ist eine gute Mundgesundheit von besonderer Relevanz, wie verschiedene Studien verdeutlichen. Die Pflege von Zähnen und Zahnfleisch ist in jeder Lebensphase wichtig. Das Journal of Dental Research stellt in seinem Artikel aus dem Jahr 2019 fest, dass Parodontitis – eine schwere Form der Zahnfleischentzündung, die sich in der Regel aus einer milderen Entzündung des Zahnfleischs (Gingivitis) entwickelt – mit über 50 Erkrankungen in Verbindung gebracht wird, darunter Diabetes und Beeinträchtigungen des Herz-Kreislauf-Systems. Das Fachmagazin erwähnt für schwangere Frauen zusätzliche Aspekte, die auf einen Zusammenhang zwischen Parodontitis und negativen Schwangerschaftsverläufen hinweist, wie ein niedriges Geburtsgewicht des Säuglings, Frühgeburten oder ein übermäßig hoher mütterlicher Blutdruck (Präeklampsie).¹

Rückgang der Frühgeburtenrate und systemischen Entzündungen

Eine randomisierte, kontrollierte Pilotstudie aus den USA, an der 67 schwangere Frauen mit schlechtem Parodontalstatus teilnahmen, untermauert die These. Die Teilnehmerinnen hatten sich während der Schwangerschaft einer nicht-chirurgischen Zahnsteinentfernung und Wurzelglättung (Tiefenreinigung der Zähne) unterzogen und gleichzeitig eine elektrische Zahnbürste von Philips Sonicare zur Anwendung zu Hause erhalten. Die vorläufigen Ergebnisse deuten auf einen 3,8-fachen Rückgang der Frühgeburtenrate und eine Verringerung verschiedener molekularer Marker für systemische (Ganzkörper-)Entzündungen hin.²

60 bis 75 Prozent von Schwangerschaftsgingivitis betroffen

Eine Schwangerschaft mit gesunden Zähnen und gesundem Zahnfleisch zu beginnen, ist von großem Vorteil. Frauen sollten zusätzlich während der Gestation auf eine Verschlechterung ihrer Mundgesundheit achten. Denn durch hormonelle Veränderungen kann es zu einer Mundtrockenheit kommen, die wiederum zu einer Veränderung der Pufferkapazität des Speichels führt, was die Ausbreitung des Plaque Biofilms begünstigt. Dadurch kommt es – genau wie durch Veränderungen des Gewebes der Mundschleimhaut – vermehrt zu einer Gingivitis. Diese so genannte „Schwangerschaftsgingivitis“ betrifft nachweislich 60 bis 75 Prozent der Schwangeren.³ In einigen Fällen kann sie zu einer Parodontitis fortschreiten, welche das Risiko eines ungünstigen Schwangerschaftsverlaufs und anderer gesundheitlichen Beeinträchtigungen erhöht⁴. Umso wichtiger ist es, die Mundgesundheit zu erhalten und genau zu kontrollieren.

Maßnahmen zum Erhalt der Mundgesundheit

Zahnmediziner sagen, dass zweimal täglich zwei Minuten gründliches Zähneputzen und regelmäßige zahnärztliche Kontrolluntersuchungen die besten Mittel sind, um die Bildung von Zahnbelag zu bekämpfen und Schwangerschaftsgingivitis zu verhindern.⁵ Es gibt jedoch weitere Maßnahmen, um eine gute Mundgesundheit zu erhalten: beispielsweise die regelmäßige Verwendung von Zahnseide oder der Wechsel von einer Handzahnbürste zu einem elektrischen Modell. Schwangere, die unter morgendlicher Übelkeit leiden, sollten außerdem nach dem Erbrechen den Mund mit Wasser ausspülen und dann mindestens eine Stunde warten, bevor sie sich die Zähne putzen.⁶ Denn: Der durch den Säurerückfluss entstehende niedrige pH-Wert im Mundraum greift die Schmelzoberfläche an. Dies kann bei sofortigem Zähneputzen zu Zahnschmelz- und Dentinabrasion führen, während das Spülen mit Wasser die Säure sofort verdünnt, den pH-Wert anhebt und neutralisiert.

 


Weitere Informationen unter: https://www.philips.de/c-e/pe/dental-professionals/zahnmedizinische-indikation/oral-and-overall-health und: www.philips.com/hebammen

Literatur
¹ Beck JD, Papapanou PN, Philips KH, Offenbacher S. Periodontal Medicine: 100 Years of Progress. J Dent Res. 2019 Sep;98(10):1053-1062. doi: 10.1177/0022034519846113. PMID: 31429666.
² Offenbacher S, Lin D, Strauss R, McKaig R, Irving J, Barros SP, Moss K, Barrow DA, Hefti A, Beck JD. Effects of periodontal therapy during pregnancy on periodontal status, biologic parameters, and pregnancy outcomes: a pilot study. J Periodontol. 2006 Dec;77(12):2011-24. doi: 10.1902/jop.2006.060047. PMID: 17209786
³ Steinberg BJ. Women’s oral health issues. J Dent Educ. 1999;63(3):271-275.
⁴ Sanz M, Kornman K; working group 3 of the joint EFP/AAP workshop. Periodontitis and adverse pregnancy outcomes: consensus report of the Joint EFP/AAP Workshop on Periodontitis and Systemic Diseases. J Periodontol. 2013;84(4 Suppl):S164-S169. doi:10.1902/jop.2013.1340016
⁵ https://www.nhsinform.scot/ready-steady-baby/pregnancy/looking-after-yourself-and-your-baby/looking-after-your-teeth-and-gums-in-pregnancy
⁶ https://www.nhs.uk/pregnancy/related-conditions/common-symptoms/bleeding-gums/

Steuertipps: Das Arbeitszimmer

Viele Inhaber von Dentallaboren nutzen ein Arbeitszimmer im eigenen Haus. Doch nicht immer dürfen die Kosten geltend gemacht werden. Denn es ist eine Grundvoraus­setzung für den Abzug eines Arbeitszimmers im eigenen Haus, dass Ihnen im Labor kein eigener Arbeitsplatz für entsprechende Büroarbeiten zur Verfügung steht. Dieses Argument können Sie widerlegen, wenn der Platz im Labor gleichzeitig von Ihnen und von einer Bürokraft genutzt wird und somit nicht für Sie allein nutzbar ist.

Bis zu 1.250,- € dürfen Sie als Kosten für Ihr Arbeitszimmer geltend machen.

Immer wieder kommt es mit dem Finanzamt zu Diskussionen, was als Arbeitszimmer anzusehen ist. Wichtig ist, dass außerhalb des Arbeitszimmers die Anzahl der anderen Zimmer und die verbleibende Wohnungs­größe für den notwendigen Wohnbedarf der Familie ausreichen. Bei dem Arbeitszimmer muss es sich um einen durch eine Tür abgeschlossenen Raum handeln, der von den übrigen Wohnräumen getrennt ist.

Wird in einem großen Zimmer ein Teil durch einen Raumteiler oder einen Vorhang als Arbeits­ecke abgetrennt, wird das Arbeitszimmer vom Finanzamt auch anteilig nicht anerkannt.

Auch wenn das Arbeitszimmer häufig durchquert werden muss, um andere privat genutzte Räume zu erreichen, werden die Aufwendungen nicht als Betriebsausgaben berücksichtigt. Hier gilt nur die Ausnahme, wenn das häusliche Arbeitszimmer durchquert werden muss, um in das Schlafzimmer zu gelangen.

Zu den Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer gehören insbesondere die anteiligen Aufwendungen für Miete, Gebäude-Abschreibungen, Schuldzinsen für Hauskredite, Wasser- und Energiekosten, Reinigungskosten, Grundsteuern, Müll­abfuhrgebühren, Schornsteinfegergebühren, Gebäudeversicherungen und Renovierungs­kosten.

Der Tipp: Die Höchstgrenze von 1.250,- € umfasst nicht die Aufwendungen für Inventar wie beispielsweise Schreibtisch und Büro­stuhl. Diese Aufwendungen können zusätzlich als Betriebsausgaben angesetzt werden.

Frank Edenfeld, Steuerberater, Diplom-Finanzwirt

Für Rückfragen – zu diesen oder anderen Steuer- oder Finanzthemen – steht die Kanzlei gerne zur Verfügung!

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Steuer- und Rechtsberatung für Dentallabore
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Quelle: DENTAGEN INFO 2022/02

Wichtige Kennzahlen für das Dentallabor Teil 2



Langfristig erfolgreiche Unternehmen erzielen Gewinne und erreichen ihre geplanten Ziele. Dabei geben betriebswirtschaftliche Kennzahlen Aufschluss über den Erfolg. In der DENTAGEN INFO 04/2021 wurden drei wichtige Kenn­zahlen vorgestellt: Eigen­kapitalquote, Betriebsergebnis und Umsatz­rentabilität. In dieser Ausgabe erfahren Sie mehr über die Materialaufwandsquote.

Materialaufwandsquote – Kennzahl mit hoher Aussagekraft

Die Materialaufwandsquote gibt Auskunft über Einkaufskonditionen, sparsamen Umgang mit Materialien und Positio­nierung des Dentallabors. Sie setzt den in Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesenen Materialaufwand ins Verhältnis zur Gesamt­leistung des Dentallabors. Letztere entspricht den Umsatzerlösen abzüglich gezogener Skonti der Kunden. Im Jahres­ab­schluss wird der Gesamtjahresumsatz noch um Bestands­veränderungen im Lager korrigiert, die über die Inventur ermittelt werden.

Mit Hilfe dieser Kennzahl kann ein Dental­labor sich mit anderen ver­gleichen. Im Mittelpunkt steht die Frage, erzielen Wettbewerber, also andere Dentallabore, ihre Leistung mit weniger Materialaufwand?

Im Branchendurchschnitt beträgt die Materialaufwandsquote ca. 14,6 %. Sie lässt sich durch günstige Einkaufskonditionen, effektive Laborabläufe und sparsamen Um­gang mit Materialien positiv beein­flussen. Unterjährig kann es zu Verzer­rungen in der Materialaufwandsquote kommen: Dann nämlich, wenn einzelne Einkäufe zur Lager­haltung angeschafft wurden, um einen günstigen Mengenrabatt zu erhalten, die erst später und über mehrere Monate hinweg verbraucht werden. Entsprechend nimmt die Genauigkeit der Kennzahl über mehrere Monate hinweg wieder zu, beispielsweise, wenn Sie Quartale vergleichen. Sehr präzise können Sie Ihre Materialaufwandsquote über den Verlauf mehrerer Jahre vergleichen.

Welche weiteren Einflussfaktoren auf die Materialaufwandsquote sollten Sie bei Ihren Analysen kennen und in der Bewertung berücksichtigen?

a) Wie ist die Positionierung Ihres Dental­labors, d.­ h. wo liegen Ihre technischen Schwerpunkte und welche Produkte werden besonders stark nachgefragt?

Ein Dentallabor mit Schwerpunkt Implanto­logie und einem Kundenstamm, der mehrere Implantat-Systeme unterschiedlicher Her­steller nachfragt, weist natürlich einen höheren Materialeinsatz auf als ein Dentallabor, das viel Zirkon über eigene CAD-CAM-Anlagen verarbeitet, nur wenige Implantat-Systeme verwendet und bei diesen indivi­duelle Abutments fräst bzw. fräsen lässt.

Gerade bei Implantaten ist es wichtig, dass verwendete Implantat-Teile sorgfältig kalkuliert werden und ihr Verbrauch richtig dokumentiert wird, damit man zu einer korrekten und wirtschaftlichen Abrechnung gelangt.

b) Wie hoch sind die Fremdleistungen, d. h. fertigen Sie überwiegend auf eigenen Fräs­anlagen oder geben Sie viele Fräsaufträge an externe Bearbeitungszentren?

Die Position Fremdleistungen wird der Rubrik Materialaufwand zugeordnet. Das ist durch die Kontenrahmen für die Buchführung vorgegeben und ergibt sich aus Vorschriften des Handelsgesetzbuches (HGB). Für die Analyse der Materialaufwandsquote sollten Sie bedenken, dass eine Fremdleistung aus zwei Kostenteilen besteht: Material und Arbeitsleistung. In dem bezogenen Halbfer­tigteil stecken immer auch die Arbeitslöhne im Fräszentrum. Diese würden sich bei eigener Herstellung im eigenen Labor in den Personalkosten in Form einer höheren Personalaufwandsquote widerspiegeln.

Wenn Sie wenig outsourcen und meist auf eigenen CAD-CAM-Anlagen fertigen, zeigt sich in den letzten Jahren in betriebswirtschaftlichen Auswertungen ein interessanter Effekt. Dieser lässt sich anhand der Zahlen ablesen: Die Materialaufwandsquote sinkt und liegt teils deutlich unter dem Branchendurch­schnitt. Auf der anderen Seite steigen Lizenzkosten für Software deutlich. Diese finden sich in der BWA unter sonstigen betrieblichen Aufwendungen, die meist unter Aufwendungen für Reparaturen- und Instandhaltungen gebucht werden. Bei entsprechenden Stückzahlen und guter Aus­lastung der Maschinen ergibt sich für das Labor im Idealfall der Vorteil deutlicher Überkompensation. Die Wirkung: Die Vor­teile der Eigenfertigung übertreffen deutlich Kostensteigerungen für Lizenzen, Maschi­nenwartungen und Finanzierungskosten.

Fazit: Bei Betriebsvergleichen beachten Sie bitte die jeweiligen Besonderheiten:
Handelt es sich um ein Dentallabor mit viel Out­sourcing oder ein Labor mit eigenem Maschinenpark? Hier gilt es Kostenver­lagerungen innerhalb der Kostenarten zu berücksichtigen. Ebenso sind natürlich die kalkulatorischen oder tatsächlich gezahlten Zinsen für die Kapitalbindung bei getätigten Investitionen zu berücksichtigen.

Beziehen Sie betriebliche Besonderheiten mit in die Analyse ein und führen Sie auch eine mehrjährige Analyse der Materialauf­wandsquote durch. So lässt sich diese Kennzahl als gute und wertvolle Informa­tionsquelle für die Laborleitung nutzen. Deshalb ist die Materialaufwandsquote in der betriebswirtschaftlichen Analyse neben der Personalkostenquote aus gutem Grund eine der beliebtesten Kennzahlen.

Diplom-Betriebswirt (FH) Hans-Gerd Hebinck


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Hans-Gerd Hebinck
Unternehmensberater
Diplom-Betriebswirt (FH)
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Zertifizierter ZRM®-Trainer (ISMZ Zürich)
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Quelle: DENTAGEN INFO 2022/02

Sibylle Scholz

Sie ist lebenslänglich eine leidenschaftliche Zahntechnikerin. Über die Initialzündung eines Ferienjobs, über eine Flucht aus Frankfurt, über eine Lehre fürs Leben in Höxter, über eine zahntechnische „Zeitenwende“ auf dem Flur der Universität Calgary, über höchst innovative Selbstständigkeit, über Freundschaften, die viel bedeuten, über „Junge Talente“, über 13 Jahre Tätigkeit im Aufsichtsrat der DENTAGEN Wirtschaftsverbund eG, über lautstarke Krampfadern in Block A , über all das und vieles mehr sprach Journalist Bernd Overwien mit Dental-Unternehmerin Sibylle Scholz (70) in Bochum.

Wer selbst im Ruhestand noch so für die Zahntechnik brennt, der hat die entsprechende DNA in der Familie?

Sollte man meinen, ist aber nicht so. Ich bin im Harz geboren und im Sauerland aufgewachsen. Mein Vater war Kaufmann im Baugewerbe. Nach der Schule hätte ich gern eine Tischlerinnen-Lehre in der Werkstatt der Mutter einer Freundin gemacht, aber mein Vater war dagegen. Mädchen sägen sich da nur die Finger ab. Aus der Traum.

Und Zahntechnik war dann nur die zweite Wahl?

Eigentlich ein Zufall. Beim Kontroll­termin bei meinem Zahnarzt habe ich über meine handwerklichen Neigungen und Berufswünsche gesprochen. Vielleicht schaust du mal beim Zahntechniker im Haus vorbei, riet mir mein Zahnarzt. Kurzum: Ich sollte eine Woche ein Sommerpraktikum im Labor machen, ich bin sechs Wochen geblieben. Das war Ende der 60er Jahre.

Und der Beginn ereignisreicher Wanderjahre in der Zahntechnik. Sind Sie ein neugieriger Mensch?

Ja, neugierig und wissbegierig. Ich wollte nach der Lehre die zahntech­nische Welt jenseits von Plettenberg erkunden….

Dazu braucht es viel Wissen. Und vielleicht noch mehr Erfahrung?

Ich bin nun 28 Jahre bei Kulzer, hatte zuvor zehn spannende Jahre bei Wieland Edelmetalle in Pforzheim. Ich kam mit der Erfahrung aus zehn Laborjahren in die Industrie. Ich habe also mein Handwerk von der Pike auf gelernt, wie man sagt.

War Zahntechniker Ihr favorisierter Berufswunsch?

Nein. Nach dem Abitur wollte ich Landschaftspflege studieren. Heute heißt es Umwelt- und Landschaftspflege. Ich habe keinen Studienplatz bekommen….

…und dann sind Sie vom Sauerland in Frankfurt gelandet?

Oh ja, in einem großen Labor mit 100 Mitarbeitern. Das war für mich gigantisch. Aber im Frankfurt der 70er Jahre wäre ich unter die Räder gekommen. Die Stadt war damals nicht lebenswert. Das war nix für Sibylle aus Plettenberg.

Und da war ausgerechnet Höxter der Sehnsuchtsort?

Ja, Ostwestfalen hat was. Aber es war vor allem das Labor Bauer mit seinem charismatischen Chef.

Inwiefern?

Werner Bauer war autoritär, aber total gerecht. Er war ein empathischer Zahntechniker. Er hat mich in zahlreiche Kurse geschickt, zu Kundengesprächen mitgenommen, durch alle Abteilungen laufen lassen. Es war mehr als nur Zahn­technik. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, es passt.

Weil es auch eine Schule fürs Leben war?

Ja. Ein Beispiel? Ich hatte die mir vertraute Sekretärin gebeten, beim Chef mal die Chancen einer Gehaltserhöhung für mich abzuklopfen. Dreimal hat er kate­gorisch abgelehnt. Dann bin ich selbst hingegangen, habe meinen Mut zusammengenommen. Er hat sofort zugestimmt und gesagt, dass er auf mich gewartet habe: ‚Du musst selbst erkennen, was du wert bist‘.

Ein Lebensmotto?

Es gab später viele Situationen, in denen ich mich an den Satz erinnert habe.



Überspringen wir weitere Stationen und kommen nach Bochum. Dort spielte fortan die Musik?

Schöner Link zu Grönemeyer, aber der spielte ganz zu Beginn der 80er Jahre noch am Schauspielhaus nebenan. Bochum sollte es dann wirklich werden. Mit dem unverhofften Start in die Selbstständigkeit. Weil die praktische Prüfung an der Meister­schule noch fehlte, konnten Axel Gernert und ich nur mit einer Ausnahmegenehmi­gung ein Labor kaufen und leiten. Am 14. September 1981 waren wir dann Meister.

Sie führten einen Betrieb mit damals acht Mitarbeitern. Warum haben Sie von Anfang an einen Betriebswirt mit ins Boot geholt?

„Wie wichtig das Einhalten kaufmännischer Regeln in der Selbständigkeit ist, hat mir mein Vater mit auf den Weg gegeben. Horst Kirchheim, der Bruder meiner Freun­din, war im Management bei Oetker. Er wechselte zu uns und auch bei der Kunden-Akquise sollte seine Oetker-Erfahrung noch einmal sehr wichtig werden.

Apropos Meisterschule. Da kam es zu einer menschlichen Begegnung, die Ihr Leben ebenfalls prägen sollte?

Oh ja. Dort traf ich Valeria Sternberg. Sie, die in den 40er Jahren noch den Einzug der Metallkeramik in den Labor­alltag als Lehrling erlebt hatte, war jetzt mit uns auf der Meisterschule. Zuhause habe ich doch tatsächlich erzählt, wir seien alles junge Leute in den Kursen und da seien noch eine Oma und ein Opa. Frau Sternberg und ein Herr Zimmermann aus Bocholt.

Sie waren ja später viel im Labor Sternberg in Geseke, wurden bis auf den Tag eine sehr gute Freundin der Familie. Das mit der Oma, haben Sie das der leider verstorbenen Valeria Sternberg mal erzählt?

Bei einem Glas Wein ganz sicher. Sie war ja ein lebensfreudiger Mensch. Ihre Leidenschaft zum Beruf und ihre große Fachkenntnis, beispielsweise in der Total­prothetik, waren enorm. Sie war eine große Persönlichkeit. Ein herzensguter Mensch mit Vorbildcharakter.

Wie hat es Ihr Unternehmen, die GSK Dentaltechnik GmbH in Bochum mit später dann 40 Mitarbeitern geschafft, sich schon in den 80er Jahren einen Namen als Keramiklabor zu machen?

Durch Vermittlung unseres Steuer­beraters haben wir Teleskoptechnik an der Universität in Calgary vorgestellt. Diese Technik gab es in Kanada noch nicht. Aber der wichtigste Impuls für die Zukunft unseres Labors kam quasi über den Flur spaziert: Keramikinlays. Passgenaue Ein­lagefüllungen aus Keramik, die nach einer Abformung auf feuerfesten Stümpfen in Keramik gebrannt und in den Zahn eingeklebt werden. Das war für uns eine Sensation. Das ging mir nicht mehr aus dem Kopf!

 

Deshalb ging es dann schnell nach Kansas?

Die Uni in Kanada hatte gegenüber dem Hersteller eine Verschwiegen­heits­erklärung abgegeben. Wir wussten nur den Namen des Unternehmens in Kansas. Wir haben einen neugierigen Zahnarzt aus unserem Kundenkreis mitgenommen. Sein Kommentar vor Ort: „Faszinierend. Häng dich da rein, das hat Zukunft“.

War das die nächste Initialzündung?

Ganz sicher ein wichtiger Moment. Als wir die Lizenz für die Bundesrepublik erworben haben, haben uns die Amerikaner gefragt, warum denn nur West­deutschland und nicht ganz Deutschland….

… die Amis waren damals unserer Zeit voraus oder?

(lacht) Na ja, lassen Sie mich das besser nicht kommentieren. Aber, wie gesagt: Wir hatten was ganz Neues. Immer mehr Zahnärzte waren begeistert, kamen in unsere Kurse, probten das Ein­setzen. Und sie kamen in unsere Live-Shows. Erst wurden wir belächelt, später entdeckte auch die Dentalindustrie, was für eine tolle Sache diese Präparationstechnik ist.

Ist eine Vorreiterrolle so etwas wie Adrenalin pur?

So weit würde ich nicht gehen. Auch andere Labore waren innovativ gut unterwegs. Dass wir in den 80er Jahren mit die ersten waren, die auf Keramikimplan­taten Superkonstruktionen fertigten, gab unserem Labor ohne Frage einen großen Schub. Wir waren immer sensibilisiert für Neuheiten.

„Wenn es den Beruf des Zahntechnikers nicht gegeben hätte, für mich hätte er erfunden werden müssen!“

Denver, Kansas, Fort Lauderdale, Schweiz – Sie haben sich viel im Ausland umgeschaut. Wo steht die deutsche Zahntechnik?

Wir waren und sind die Nummer 1 in der Welt. Spitzenreiter mit großen Nach­wuchs­problemen. Wir haben versucht, etwas gegen den Mangel an Fachkräften zu tun.

Mit dem Projekt „Junge Talente“?

Ja, da war uns was gelungen. In Bochum war es beispielsweise so: gelernte Zahntechniker gingen in Scharen zu Nokia. Die Finnen waren gerade zu gierig nach Zahntechnikern. Weil die gut löten konnten. Bessere Entlohnung, geregelte Arbeits­zeiten, mehr Urlaub, kostenlose Sprach­kurse, freier Eintritt ins Fitnessstudio. Uns liefen die Arbeitskräfte davon.

Und was passierte, als Nokia in Bochum dicht machte?

Da standen sie alle auf der Straße. Auch unsere jungen Zahntechniker. Wir hatten freie Arbeitsplätze, das Material in den Schubladen, aber auch Zahnärzte, die inzwischen ins Ausland schickten. Im Projekt „Junge Talente“ hatten wir zwar eine niedrigere Gehaltsstruktur für die Teilnehmer, aber allemal besser als Arbeitslosigkeit. Die Jungtechniker konnten mit meisterlicher Begleitung arbeiten, nicht wenige wurden in reguläre Arbeitsverhältnisse übernommen. Einige wurden Laborleiter, wie Michael Janus. „Junge Talente“ war für mich eine Herzensangelegenheit.

„DENTAGEN ist ein Alltagsproblemlöser für Labore.“

13 Jahre im Aufsichtsrat der DENTAGEN. Jetzt scheiden Sie satzungs­gemäß aus Altersgründen aus. Was nehmen Sie mit?

Ganz viele menschliche Begeg­nungen, sehr viele Einblicke in die Unter­nehmenskultur einer funk­tionierenden Genossenschaft. Der Verbund ist so viel mehr als nur Einkauf und Zentralregulierung. DENTAGEN ist ein Alltagsproblemlöser für Labore, die das erkannt haben. Nehmen Sie nur den Marktplatz! Was den Aufsichtsrat anbetrifft, so gibt es eine höchst transpa­rente Zusammen­arbeit mit dem Vorstand. Kritische Punkte werden fair diskutiert, niemand konnte sich verletzt fühlen. Diese konstruktive Atmosphäre würde ich manchen Vorständen und Aufsichtsräten in anderen Unternehmen wünschen.

Lassen Sie mich die obligatorische Fußball-Frage mal so stellen: Hätten Sie gedacht, dass Ihre Freundin Karin Schulz ein so aktiver Fan des SC Paderborn ist?

Ihre Sportbegeisterung ist ja bekannt, aber dass Sie auch ins Stadion pilgert, war mir neu. Ihr Vater war ja glühender Schalke-Anhänger.

Und Sie als Bochumerin?

Zwei Herzen schlagen da in meiner Brust: Dortmund und Bochum. Der BVB und der VfL – ich finde, das geht zusammen. In Bochum an der Castroper Straße hatte ich zehn Jahre eine Dauerkarte in Block A. Dort saßen die Edelfans, die vorher in der Ostkurve standen und jetzt Krampfadern hatten. Immer Riesenstimmung.

Frau Scholz, vielen Dank für das Gespräch.

Quelle: DENTAGEN Info 2022/02