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Kommen stabile Krankenkassenbeiträge in Sicht?

Wenn die Krankenkassenbeiträge nicht schon wieder steigen sollen, wird es Zeit für richtungsweisende Entscheidungen der Regierung.

Bis Mitte Oktober peilt Bundesgesundheitsministerin Nina Warken Klarheit über weitere Maßnahmen an, um den weiteren Anstieg der Krankenkassenbeiträge zum Anfang kommenden Jahres zu verhindern. Auf die Frage, ob bis zur Sitzung eines Schätzerkreises zur Finanzlage der gesetzlichen Kassen ein Kabinettsbeschluss oder eine ähnliche Festlegung geplant sei, erklärte die CDU-Politikerin, dass dies das Ziel sei. Am 14. und 15. Oktober kommt das Gremium zur jährlichen Sitzung zur Berechnung der Finanzentwicklung zusammen.

In Berlin erläuterte Ministerin Warken, es sollten bewusst noch neue Herbstzahlen abgewartet werden, um deren weitere Entwicklung einschätzen zu können. Ziel sei, daraufhin zielgenaue Maßnahmen ansetzen zu können, die zu einer Beitragsstabilität führen. Trotz bereits vorgesehener Finanzspritzen klafft im Etat noch eine Lücke von vier Milliarden Euro. Neben einer Erhöhung der Haushaltsmittel sind aber auch Sparregelungen im Gespräch. Erst zu Beginn dieses Jahres hatte es eine Welle kräftiger Erhöhungen bei den Zusatzbeiträgen gegeben, die von Kassen je nach Finanzlage für ihre Versicherten festgelegt werden.

Expertenkommission tüftelt an großer Reform

Nina Warken äußerte sich im Vorfeld der ersten Sitzung einer Expertenkommission, die Vorschläge für eine große Reform der Krankenversicherung machen soll. Zehn Professorinnen und Professoren sollen bis März 2026 erste Vorschläge zur Stabilisierung der Beitragssätze ab 2027 erarbeiten. Bis Ende kommenden Jahres soll ein Bericht zu grundlegenden Reformen folgen. Der Bielefelder Gesundheitsökonom Wolfgang Greiner wurde zum Vorsitzenden der Kommission gewählt.

Quelle: dpa

Mein Körper. Meine Zähne. Wie stark wirken sie auf Erfolg und Gesundheit

Wie eng die Mundgesundheit mit Körperhaltung, Muskulatur und sogar sportlicher Leistung gekoppelt ist, zeigt eine neue ARD-Dokumentation. Experten aus Klinik und Praxis sowie Stimmen aus Spitzensport und Social Media geben dort persönliche Einblicke und Einschätzungen.

Unsere Zähne sind mehr als ein Lächeln – sie stellen ein Steuerzentrum dar, das viele Muskelketten beeinflusst und auch über Leistung oder Schmerz entscheiden kann. Die ARD-Dokumentation „Mein Körper. Meine Zähne. Wie stark wirken sie auf Erfolg und Gesundheit?“ vermittelt, dass Funktionsstörungen im Kausystem nicht im Mund enden, sondern Folgen für den gesamten Organismus nach sich ziehen können. In der Sendung kommen unterschiedliche Stimmen zu Wort, von Behandlen ebenso wie von Patienten.

Dr. Siegfried Marquardt von der Deutschen Gesellschaft für Sportzahnmedizin erklärt unter anderem, wie sensibel das Zusammenspiel von Zähnen, Kiefer und Muskulatur gerade im Leistungssport sein kann. Wie individuell angepasste Schienen ihre Stabilität verbessern und damit entscheidende Impulse für ihre Leistung geben, berichtet Biathletin Sophia Schneider. Influencerin Julia Haupt, die nach einer Behandlung mit Veneers in Dubai Zahnarzt Florian Göttfert aufsucht, eröffnet eine weitere Perspektive. Er korrigiert ihre Zähne minimalinvasiv und zeigt dabei, wie Ästhetik und Funktion ineinandergreifen. Die psychologische Seite bleibt auch nicht unberücksichtigt und zeigt, wie sehr sie Behandlungen verzögern und gesundheitliche Probleme verschärfen kann. Dies alles macht die Dokumentation sehenswert!

„Mein Körper. Meine Zähne. Wie stark wirken sie auf Erfolg und Gesundheit“ ist Teil der Reihe ARD Wissen und in der ARD Mediathek abrufbar. 

Sepsis – unterschätzte Gefahr bei kranken Zähnen

Die umgangssprachlich auch Blutvergiftung genannte Sepsis ist eine lebensbedrohliche Reaktion des Körpers auf eine Infektion. Weitgehend unbekannt ist, dass sie auch durch einen erkrankten Zahn ausgelöst werden kann. Anlässlich des Welt-Sepsis-Tages am 13. September informierte die Bayerische Landeszahnärztekammer (BLZK) darüber, welche Warnzeichen es gibt und wie Sie diese schwere Komplikation vermeiden können.

Wenn Infektionen am Zahn – z. B. entzündete Zahnfleischtaschen oder Wurzelkanalentzündungen – über längere Zeit nicht behandelt werden, können Bakterien in den Blutkreislauf gelangen. Sie können dort eine Überreaktion des Immunsystems auslösen, die Organe schädigen und sogar tödlich enden. „Zwar kommt es infolge einer Zahnerkrankung nur selten zu dieser lebensbedrohlichen Komplikation, allerdings können Faktoren wie hohes Alter, Immunschwäche oder chronische Krankheiten das Risiko erhöhen“, erklärte BLZK-Vizepräsidentin Dr. Barbara Mattner

Folgende Warnzeichen können auf eine Sepsis hindeuten:

  • starkes Krankheitsgefühl
  • Verwirrtheit, Benommenheit, Wesensveränderung
  • Schüttelfrost und Fieber
  • Kurzatmigkeit, Atemnot
  • Herzrasen, erhöhter Puls und/oder niedriger Blutdruck

Was können Sie zur Vorbeugung tun?

„Lassen Sie Zahnprobleme immer frühzeitig behandeln. Achten Sie auf Anzeichen wie Schwellungen, starke Zahnschmerzen und Eiterbildung. Auch nach einer Zahnoperation ist es wichtig, Infektionszeichen wie starke Schmerzen, Rötungen, anhaltende Schwellungen und Fieber ernst zu nehmen“ erläuterte Prof. Dr. Christoph Benz, Referent Patienten, Versorgungsforschung, Pflege der BLZK. Denn: Wenn Zahninfektionen nicht auf die leichte Schulter genommen und rechtzeitig behandelt werden, kann das Risiko einer Sepsis deutlich reduziert werden.

Hydrogel gegen Mundtrockenheit

Wenn die körpereigene Speichelproduktion nicht ausreicht, können Probleme beim Schlucken und Sprechen entstehen, auch die Mundhygiene kann darunter leiden. Nun hat ein Forschungsteam um Suman Debnath, Georgia Malandraki und Bryan Boudouris ein Hydrogel entwickelt, das künstlichen Speichel aufnehmen und kontrolliert wieder freisetzen kann. Die Forschungsergebnisse sind kürzlich in ACS Applied Polymer Materials erschienen und wurden von Medicalxpress aufgegriffen. Xerostomie-Patienten können sich Hoffnungen machen. 

Das neue Hydrogel basiert auf einem biokompatiblen Polymer, das auch für Kontaktlinsen verwendet wird. Es wird als durchsichtiger, weicher Körper eingesetzt –klein genug, damit es in der Wange oder unter der Zunge Platz finden kann. Die Speicherfähigkeit des Hydrogels ist bemerkenswert: In nur sechs Stunden nahm es bis zum Vierfachen seines ursprünglichen Volumens an künstlichem Speichel auf. Diesen Vorrat gab es bei Körpertemperatur innerhalb von vier Stunden nahezu vollständig und mit einer Effizienz von 97 Prozent wieder ab. Unverändert leistungsfähig zeigte sich das Gel auch nach fünf Zyklen. Es ließ sich wieder und wieder mit künstlichem Speichel beladen und gab ihn anschließend in gleichmäßigem Tempo wieder ab. Das Hydrogel eigne sich also für Nachahmung einer natürlichen Speichelabgabe und kann so möglicherweise die Symptome der Xerostomie lindern, erklären die Forschenden.

DOI: 10.1021/acsapm.5c00881

2024 versorgten Hausärzte durchschnittlich 1200 Einwohner

In den letzten zehn Jahren ist die Anzahl der Hausärzte in Deutschland gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, haben 2024 ein Hausarzt oder eine Hausärztin durchschnittlich mehr als 1.200 Menschen versorgt. Zwischen den Bundesländern gab es dabei jedoch zum Teil große Unterschiede. In Brandenburg (1.436), Bremen (1.369) und Niedersachsen (1.356) wurden 2024 überdurchschnittlich viele Menschen versorgt, in Bayern versorgten Hausärzte im Schnitt 1.114 Menschen – der bundesweit niedrigste Wert – darauf folgten Hamburg mit durchschnittlich 1.118 Einwohnern und Mecklenburg-Vorpommern mit 1.149.

Gleicher Versorgungsgrad trotz Hausärztezuwachs

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts veränderte sich die Hausärzte-Dichte bundesweit in den letzten zehn Jahren kaum. Waren es 2024 1.264, so versorgten sie im Jahr 2014 demnach im Schnitt 1.266 Menschen, wobei die Zahl der Hausärzte insgesamt anstieg. Laut Bundesärztekammer gab es 2024 insgesamt etwa 66.100 Hausärzte in Deutschland – das sind 3,4 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Ihr Anteil an allen praktizierenden Ärztinnen und Ärzten betrug 15,1 Prozent.

41 Prozent der Hausärzte sind über 60 Jahre alt

Mit einem weiteren Anstieg der Hausärztezahl dürfte künftig allerdings nicht zu rechnen sein, denn ein großer Teil von ihnen wird voraussichtlich in den nächsten Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden. 2024 waren nach Daten der Bundesärztekammer rund 27.000 (41 Prozent) aller Hausärzte 60 Jahre oder älter. Knapp 18,5 Prozent waren älter als 65 Jahre und nur etwa 7,7 Prozent jünger als 40 Jahre. Besonders hoch ist der Anteil der 60-jährigen Hausärzte in Rheinland-Pfalz (48,0 Prozent), im Saarland (46,2 Prozent) und in Bremen (45,4 Prozent). Der Anteil dieser Altersgruppe war hingegen in Thüringen (31,5 Prozent), Sachsen-Anhalt (33,1 Prozent) und in Sachsen (33,2 Prozent) am niedrigsten.

Quelle: dpa 

Was sich im Herbst ändert – Oktoberfest und Datenschutz

Im September gilt nicht nur „O‘ zapft is“, es gibt Neues auf dem Münchner Oktoberfest. Welche Neuerungen bringt der neue Monat für Verbraucherinnen und Verbraucher? Hierzu ein kurzer Überblick.

Mehr Kontrolle über Ihre Daten

Über die Daten, die von vernetzten Geräte wie Smart-TVs, Saugroboter, Kühlschränke, aber auch E-Bikes, Fitness-Tracker oder Autos gesammelt werden, bekommen Nutzer und Nutzerinnen mehr Kontrolle. Welche Informationen gesammelt werden und wie man darauf zugreifen kann, müssen die Hersteller ab dem 12. September offenlegen.

Das Datenschutzgesetz (EU-Data-Act), das bereits Anfang 2024 in Kraft getreten ist, soll es Verbrauchern erleichtern, Gerätedaten einzusehen und auch an andere Dienste weiterzuleiten. Der Kundendienst oder die Reparatur bestimmter Geräte könnte dadurch günstiger werden.

Auch auf dem Oktoberfest soll sich bargeldloses Bezahlen durchsetzen

Schluss mit Scheinen und Münzen macht ein erstes Zelt auf dem diesjährigen Oktoberfest (ab dem 20. September): Die „Münchner Stubn“ will keine Münzen und Geldscheine mehr annehmen als Bezahlung für Maß und Hendl. Allerdings ist auf dem größten Volksfest der Welt Bargeld noch das gängigste Zahlungsmittel, betont das zuständige Münchner Wirtschaftsreferat.

Weitere Änderung: An Samstagen, Sonntagen und am Feiertag dürfen die Wirte ab 15.00 Uhr zusätzlich zehn Prozent der Plätze für Einheimische reservieren. Das Bier auf der Wiesn wird selbstverständlich wieder teurer: Zwischen 14,50 und 15,80 Euro soll die Maß kosten.

Bundestag kommt aus den Ferien

Am 10. September kommt der Bundestag nach der Sommerpause wieder zusammen. Fragen an Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) stehen auf der vorläufigen Tagesordnung.

Quelle: dpa

Natürliche Zahnschmelz-Reparatur mit Keratin statt Komposit

Das härteste Material im menschlichen Körper ist der Zahnschmelz. Wenn er allerdings einmal angegriffen ist, gibt es kein Zurück mehr. Am King’s College London hat ein Forschungsteam einen Weg gefunden, auf ganz natürliche Weise die Reparatur beschädigter Zahnoberflächen zu unterstützen. Der Schlüssel dafür ist ein Protein, das uns allen bekannt ist – Keratin. Es steckt in Haaren, Haut und Nägeln und lässt sich aus biologischen Reststoffen in großen Mengen gewinnen. In ihren Versuchen verwendeten die Forscher Keratin, das aus Wolle isoliert wurde.

Auf die Zahnoberfläche aufgetragenes Keratin reagiert mit Mineralien des Speichels. Hierbei entsteht eine kristallähnliche Schicht, die dem natürlichen Schmelz erstaunlich ähnelt. Diese Schicht verschließt empfindliche Stellen, an denen Nerven freiliegen und wirkt wie eine Schutzbarriere. Der Ansatz unterscheidet sich erheblich von bisherigen Verfahren, denn Fluorid kann den Abbau verlangsamen, aber nicht umkehren; Kunststoffe und Füllmaterialien sind zwar funktional, bleiben jedoch Fremdkörper im Mund. Dagegen greift Keratin gezielt in natürliche Prozesse ein. Nachhaltigkeit ist dabei Teil des Gesamtkonzepts. Das Protein lässt sich aus Abfällen wie abgeschnittenem Haar oder Wolle isolieren. So könnten in die Zahnpflege Ressourcen zurückfließen, die sonst keine Verwendung hätten.

Die Ergebnisse wurden neben der Website des King´s College auch in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials veröffentlicht. Das Team wird geleitet von Dr. Sherif Elsharkawy, Erstautorin ist Dr. Sara Gamea. Mit seinen Experimenten wird gezeigt, dass Keratin den Aufbau einer schützenden Schicht anstößt – mehr nicht, aber auch nicht weniger. Es bleibt offen, ob daraus Zahnpasta im Supermarkt oder ein Gel für den Einsatz in der Praxis entsteht.

Bitte lächeln für den Karies-Check

„Bitte lächeln“, ein Druck auf den Auslöser des Smartphones und schon ist der Einblick ins kindliche Gebiss gespeichert. Nur ein Smartphone in den Händen der Eltern und eine klare Anleitung, wohin genau der Fokus gesetzt werden muss. Klingt nach Spielerei, ist aber präzise Wissenschaft, ohne dass ein Praxissessel, ein Spiegel und eine Sonde im Mund das Kind irritieren.

Ob sich Karies auf Smartphonebildern von Kindergebissen ebenso präzise erkennen lässt, wie bei einer klassischen Untersuchung, wollten US-Forscher herausfinden. Könnten Zahnärzte anhand dieser Bilder vielleicht sogar genauer diagnostizieren? Die Ergebnisse wurden in der August-Ausgabe des Journal of the American Dental Association publiziert und überraschen. Eltern machten von 138 Kindern intraorale Aufnahmen ohne künstlerische Freiheit nach einem festen Schema – Frontansicht, obere Okklusalfläche, untere Okklusalfläche. Die Bewertung der Bilder übernahmen zwei erfahrene Zahnärzte unabhängig voneinander. Später folgte der Abgleich mit den klinischen Befunden der Kindergebisse.

Das Ergebnis fiel deutlich aus. Über alle Ansichten hinweg lag die Fähigkeit, kariesfreie Zähne korrekt zu identifizieren, zwischen 97,1 und 100 Prozent. Die Trefferquote bei der Erkennung kariöser Zähne, erreichte in den meisten Bereichen Werte zwischen 94,8 und 99,1 Prozent. Bei den Frontzähnen im Unterkiefer schnitt die Methode mit 67,2 Prozent jedoch deutlich schwächer ab. Eine Genauigkeit von 94,1 bis 100 Prozent wurde mit kombinierten Ansichten erreicht. Die Studienautoren sehen hier klare Grenzen. Mit den Fotos ließen sich Weichgewebsveränderungen oder frühe Demineralisationen nicht so sicher erfassen wie Karies. Es besteht noch weiterer Forschungsbedarf.

DOI: 10.1016/j.adaj.2025.05.003

Weißmacher darf laut EuGH nicht als krebserregend bezeichnet werden

Hersteller von Titandioxid-Pulver streiten seit Jahren mit der EU, ob der Weißmacher für Farbe, Spielzeug und Sonnencreme Krebs erregen kann.

Titandioxid, das in Produkten wie Zahnpasta, Wandfarbe oder Sonnencreme als Weißmacher verwendet wird, darf nach einem Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union (EuGH) vorerst nicht als krebserregender Stoff bezeichnet werden. Das höchste Gericht in Luxemburg teilte mit, dass der in der EU zuständige Ausschuss für Risikobeurteilung (RAC) nicht alle für die Bewertung relevanten Gesichtspunkte berücksichtigt habe.

Vor sechs Jahren hatte die EU-Kommission diesen Stoff aufgrund der Bewertung des Ausschusses für Risikobeurteilung als karzinogen eingestuft. Diese Entscheidung muss nach dem Urteil zurückgenommen werden, da die EU mit dem Begriff «karzinogen» Stoffe beschreibt, die Krebs erzeugen oder die Krebshäufigkeit erhöhen können.

Der EuGH bestätigte damit ein Urteil der untergeordneten Instanz, in dem Richter zu dem Ergebnis kamen, dass bei der Beurteilung einer wissenschaftlichen Studie, auf die sich die Einstufung von Titandioxid-Pulver stützte, ein offensichtlicher Fehler begangen wurde. Mehrere Hersteller, Importeure, Anwender und Lieferanten hatten zuvor gegen die Einstufung und Kennzeichnung des Stoffes als karzinogen protestiert.

Titandioxid wurde nach dem Beschluss der EU-Kommission 2019 nicht verboten, musste jedoch mit einem Warnhinweis versehen werden. In Lebensmitteln ist der Weißmacher allerdings schon seit 2022 verboten, da negative Effekte auf das menschliche Erbgut und mögliche Krebsrisiken nicht ausgeschlossen werden könnten.

Quelle: dpa

Umweltbelastung an den Milchzähnen „ablesen“

Oft zählt nur der Moment, wenn ein Milchzahn locker wird und mit einem vorsichtigen Ruck verschwindet. Dann landet er meist in einem Glas oder unter dem Kopfkissen. Dieser Milchzahn hat jedoch etwas gespeichert, das weit über die Kindheit hinausgeht. Welche Spuren zum Beispiel Schwermetalle in Milchzähnen hinterlassen, hat nun eine Gruppe von Forschern untersucht.

Sie analysierten im Rahmen einer Übersichtsarbeit zwanzig Studien, in denen die Schwermetallbelastung gemessen wurde. Wie stark Kinder während der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren mit giftigen Metallen in Kontakt kommen und ob sich diese Belastung im Zahngewebe ablesen lässt, stand im Zentrum der Analyse. Schon vor der Geburt und in den ersten Lebensjahren lagern Milchzähne Substanzen ein, die aus dem Körper der Mutter oder aus der unmittelbaren Umwelt stammen. Was aufgenommen wird, verbleibt dauerhaft im Zahn. Hierbei entsteht eine Art biologisches Protokoll, das mit Jahresringen im Holz vergleichbar ist. Die Studienergebnisse zeigen klare Zusammenhänge – Kinder, die in der Nähe von Industrieanlagen, Minen oder in Konfliktregionen leben, weisen eine höhere Konzentrationen von Schwermetallen in ihren Zähnen auf, vor allem Blei. Es wurden auch familiäre Umstände untersucht, wobei in zwei von fünf Studien ein Zusammenhang zwischen dem Rauchen eines Elternteils und erhöhtem Bleigehalt festgestellt wurde. Ein eindeutiger Zusammenhang mit Passivrauchen konnte nicht nachgewiesen werden. Die Studien untersuchten weiterhin, ob gesundheitliche Auffälligkeiten mit den gemessenen Metallwerten in Verbindung gebracht werden können. 

Obwohl ein direkter Zusammenhang zwischen erhöhter Belastung mit Blei oder Quecksilber und Autismus nicht festgestellt werden konnte, war es auffällig, dass niedrigere Manganwerte häufiger bei Kindern mit sprachlichen Auffälligkeiten, schwächerem Gedächtnis und autistischen Verhaltensmerkmalen vorkamen. Um chronische Belastungen in der frühen Kindheit sichtbar zu machen, liefern Milchzähne daher eine stabile und aussagekräftige Basis. Es ist nur ein Moment, in dem ein Zahn ausfällt, aber es bleibt ein kleines Stück Kindheit und ein biologisches Archiv der Umwelt, in der sie stattgefunden hat.

Quelle: ResearchGate

Krankenhauskeime mit Tiergiften bekämpfen

Das KI-basierte Deep-Learning-System „APEX“ wird von Forschern der University of Pennsylvania zur Bekämpfung von antibiotikaresistenten Krankenhauskeimen mit tierische Giften – z. B. von Schlangen oder Spinnen genutzt. Mithilfe dieser Software wurden aus über 40 Mio. Peptiden innerhalb weniger Stunden 386 Verbindungen herausgefiltert, die für Antibiotika der nächsten Generation relevant sein können.

Evolutionäre Meisterwerke

„Gifte sind Meisterwerke der Evolution, doch ihr antimikrobielles Potenzial ist bisher kaum erforscht. Mit APEX können wir in nur wenigen Stunden einen riesigen chemischen Raum scannen und Peptide mit außergewöhnlichem Potenzial zur Bekämpfung der hartnäckigsten Krankheitserreger der Welt identifizieren“, erklärt Forscher César de la Fuente.

Das Forscherteam hat aus der KI-basierten Auswahlliste Giftpeptide für Labortests synthetisiert. In Dosen, die für menschliche rote Blutkörperchen unschädlich sind, töten 53 der ausgewählten Giftpeptide arzneimittelresistente Bakterien – beispielsweise Escherichia coli und Staphylococcus aureus. „Durch die Kombination eines computergestützten Auswahlverfahrens mit traditionellen Laborexperimenten haben wir eine der bislang umfassendsten Untersuchungen zu aus Giftstoffen gewonnenen Antibiotika durchgeführt“, ergänzt Marcelo Torres.

Weltweit Millionen Todesfälle im Jahr

Es gibt etwa fünf Mio. Tote pro Jahr weltweit durch medikamentenresistente Infektionen. Auf der anderen Seite ist die Entwicklung traditioneller Antibiotika fast zum Stillstand gekommen. In einer mit dem Krankenhauskeim Acinetobacter baumannii infizierten Maus haben die Peptide die Bakterienlast signifikant reduziert, ohne dass eine Toxizität beobachtet werden konnte.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass tierische Gifte eine reichhaltige Quelle für bisher unbekannte antimikrobielle Gerüste sind und dass die Integration von groß angelegter computergestützter Suche und experimenteller Validierung die Entdeckung dringend benötigter Antibiotika beschleunigen kann“, schreiben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Nature“.

Quelle: pressetext.redaktion

Mit dem Nickerchen zur Lösung kommen

Eine Studie mit 90 Probandinnen und Probanden an der Universität Hamburg zeigt, dass Schlaf die Fähigkeit, Probleme auf kreative Weise zu lösen, steigert. Im Schlaf gemessene Hirnaktivität lässt sogar die Wahrscheinlichkeit vorhersagen, mit der nach einem Nickerchen ein sogenannter Aha-Moment eintritt. Das Studienresultat ist im Fachjournal „PLoS Biology“ veröffentlicht worden.

Die Schlafphase, die auf die Einschlafphase folgt, wird von den Forschenden N2 genannt. Sie tritt in der Nacht mehrmals auf und ist eine Phase mit wenig Träumen. Eine neue Studie der Exzellenzuniversität Hamburg untermauert die Vermutung, dass diese Schlafphase bei der Lösung von Problemen hilft.

Im Rahmen des Versuches wurden die Probandinnen und Probanden gebeten, in der Nacht vor der Messung weniger zu schlafen als sonst und kein Koffein zu konsumieren. So fielen knapp 70 Prozent der Untersuchten während des Versuchs in Schlaf. Anschließend sollten sie am Bildschirm eine Aufgabe lösen, deren Parameter nach einer Zeitspanne unauffällig geändert wurden. 86 % der Befragten, die zuvor die N2-Schlafphase erreicht hatten, realisierten diese Veränderung schlagartig (Geistesblitz). Von denjenigen, die nur die Einschlafphase erreicht hatten, erkannten nur 69 % die Veränderung und von den Nichtschläfern 56 %.

In der Fachwelt wird schon länger vermutet, dass bestimmte Schlafphasen die Kreativität beeinflussen und die Fähigkeit des Gehirns steigern können, blitzartig neue Erkenntnisse zu gewinnen. Die Hamburger Versuchsreihe hat diese These untermauert und besonders die Rolle der N2-Schlafphase hervorgehoben.

Allerdings sind Schlafphasen keine genau abgegrenzten Zustände – die Einschlafphase N1, die erste tiefere Schlafphase N2 und die Tiefschlafphase N3 gehen vielmehr ineinander über. Sie unterscheiden sich zum Beispiel durch eine Abnahme der Muskelspannung und durch die Gehirnaktivität der Schlafenden.

„Wir konnten beobachten, dass die von uns gemessene Hirnaktivität während des Schlafs mit der Wahrscheinlichkeit eines anschließenden Aha-Moments korrelierte“, erklärt Dr. Anika Löwe, eine der beiden Hauptautorinnen der Studie. „So konnten wir die Wahrscheinlichkeit, mit der jemand nach dem Schlaf einen Geistesblitz haben würde, aufgrund unserer Messdaten vorhersagen.“

Schon durch diesen bisher unbekannten Zusammenhang erhalten die Forschenden neue Einsichten in die Funktion des Schlafs und die Arbeitsweise des menschlichen Gehirns als Grundlage aller menschlichen Empfindungen und Wahrnehmungen. Wer sich also nach einem Geistesblitz sehnt, sollte kurze Nickerchen einlegen, denn diese steigern die Wahrscheinlichkeit, dass ein solches Ereignis eintritt – besonders, wenn tieferer Schlaf erreicht wird.

Originalpublikation:
Löwe AT, Petzka M, Tzegka MM, Schuck NW (2025) N2 sleep promotes the occurrence of ‘aha’ moments in a perceptual insight task. PLOS Biology 23(6): e3003185. https://doi.org/10.1371/journal.pbio.3003185 

Quelle: DeutschesGesundheitsPortal