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Parodontitis-Erreger mit neuer Substanz ausgebremst

Allgemein

Eine Substanz, die gezielt nur die Keime ausbremst, die Parodontitis auslösen, haben Forschende des Fraunhofer Instituts entdeckt. Das natürliche Gleichgewicht der Mundflora bleibt beim Einsatz der Substanz erhalten. Ein Spin-off des Instituts hat die Technologie in Form von Zahnpflegeprodukten auf den Markt gebracht.

Am Standort Halle hat das Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI eine Substanz identifiziert, die gezielt schädliche Erreger des oralen Mikrobioms wie Porphyromonas gingivalis blockiert, die anderen Keime aber verschont. Prof. Stephan Schilling, Leiter der Fraunhofer-IZI-Außenstelle Molekulare Wirkstoffbiochemie und Therapieentwicklung, erklärt die Wirkweise der Substanz mit dem Namen Guanidinoethylbenzylamino Imidazopyridine Acetat: „Sie tötet die Gingivitis-Erreger nicht ab, sondern blockiert nur deren Wachstum. Sie können ihre giftige Wirkung nicht entfalten, und die gesunden Keime können ihnen sonst verwehrte Nischen besetzen.“

Herkömmliche Mundpflegeprodukte, etwa als Mundspülungen mit Alkohol oder mit Chlorhexidin, töten zwar die Pathogene, aber auch alle anderen Keime. Wenn sich die Mundflora nach der Behandlung wieder aufbaut, haben pathogene Keime wie Porphyromonas gingivalis einen Startvorteil, weil sie sich auf entzündetem Zahnfleisch besonders gut vermehren können. Die gesunden Keime hingegen wachsen langsamer und die Mundflora kippt schnell wieder aus dem Gleichgewicht.

Von der Idee zum Endprodukt

Die Basis der Technologie geht auf ein EU-Projekt zurück, an dem viele internationale Partner beteiligt waren. Für die Entwicklung neuartiger Zahnpflegeprodukte wurde 2018 das Fraunhofer Spin-off PerioTrap Pharmaceuticals gegründet, ebenfalls mit Sitz in Halle. In enger Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IZI und dem Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS entstand die Mikrobiom-Zahnpasta. „Das Produkt dient der Vorbeugung von Parodontitis. Wie eine normale Zahnpasta enthält es aber auch Putzstoffe und Fluorid zur Vorbeugung von Karies“, erklärt Dr. Mirko Buchholz, einer der Gründer des Fraunhofer-Spin-offs. Das Fraunhofer IMWS übernahm den materialwissenschaftlichen Part und testete bei jeder neuen Variante der Zahnpasta deren Wirkung. Die Arbeit an der Technologie geht weiter. Für Zahnarztpraxen hat ­PerioTrap ein Pflege-Gel entwickelt, das nach der professionellen Zahnreinigung appliziert wird. Es blockiert pathogene Bakterien, stabilisiert die Mundflora und hält das Zahnfleisch gesund. Die PerioTrap-Technologie soll zudem für die Entwicklung weiterer Produkte genutzt werden.

Quelle: Fraunhofer Institut/Perio-trap