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Urlaub 2027 – Mit Brückentagen das Maximum herausholen

Clevere Planung macht es möglich: Wer 2027 die Feiertage, Brückentage und Wochenenden geschickt kombiniert, kann mit wenigen Urlaubstagen viel Freizeit herausholen.

Neujahr

Der 1. Januar fällt 2027 auf einen Freitag. Noch Resturlaub aus dem Jahr 2026? Wer ab dem 25. Dezember 2026 bis zum 3. Januar 2027 nicht arbeiten möchte, hat zehn freie Tage an einem Stück und muss nur vier Urlaubstage für 2026 beantragen.

Womöglich – je nach Unternehmen – sind auch nur drei Urlaubstage zu beantragen, denn Silvester – der Tag fällt auf einen Donnerstag – ist kein gesetzlicher Feiertag. „In der Praxis ist es aber häufig so, dass Silvester frei ist oder nur der halbe Tag gearbeitet wird“, sagt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht in Köln. Das Gleiche gilt für Heiligabend (24. Dezember).

Alle, die in Bayern, Baden-Württemberg oder Sachsen-Anhalt leben, haben mit Heilige Drei Könige (6. Januar) noch einen weiteren Feiertag. Arbeitnehmende in diesen Bundesländern können, wenn sie mögen, ab 25. Dezember bis einschließlich 6. Januar freinehmen – sie haben dann 13 Tage frei und müssen nur sechs Urlaubstage beantragen. Wer bis ab 25. Dezember bis 10. Januar nicht arbeiten möchte, hat 17 freie Tage und muss acht Urlaubstage nehmen.

Das Osterwochenende

Am 26. März ist Karfreitag, am 29. März Ostermontag. Über Ostern sind 16 freie Tage hintereinander möglich – und Arbeitnehmende müssen dafür im Zeitraum zwischen dem 20. März und dem 4. April lediglich acht Urlaubstage beantragen. Wer vom 20. März bis 29. März eine Auszeit vom Job benötigt, kommt auf zehn freie Tage, verbraucht aber nur vier Urlaubstage.

Der Maifeiertag

Der 1. Mai ist 2027 ein Samstag. Somit ist kein Brückentag möglich.

Christi Himmelfahrt und Pfingsten

Christi Himmelfahrt fällt 2027 auf den 6. Mai – ein Donnerstag. Mit nur einem Urlaubstag für den 7. Mai sind vier freie Tage möglich. Am 9. Mai ist übrigens Muttertag.

Das darauffolgende Wochenende ist Pfingsten. Das bedeutet mit Pfingstmontag (17. Mai) drei aufeinanderfolgende freie Tage. Für Arbeitnehmende, die mehr brauchen, bietet es sich an, vom 1. Mai bis 23. Mai eine Auszeit vom Job zu nehmen. Der Clou: Bei 23 freien Tagen sind nur 13 Urlaubstage zu beantragen.

Fronleichnam

Mit Fronleichnam (27. Mai) – ein Feiertag, der wie immer auf einem Donnerstag liegt – ist ein weiteres verlängertes Wochenende möglich. Das gilt jedoch nur in den Bundesländern, in denen Fronleichnam ein Feiertag ist. Das sind neben Bayern, Baden-Württemberg und Hessen auch Nordrhein-Westfalen, Rheinlandpfalz und das Saarland.

Tag der Deutschen Einheit

Der Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober) ist 2027 an einem Sonntag – einen Brückentag gibt es hier also nicht.

Weitere Feiertage, die es nur in manchen Bundesländern gibt

Buß- und Bettag: Am 17. November ist 2027 Buß- und Bettag. Der Feiertag fällt traditionell auf einen Mittwoch im November. Konkret ist es der Mittwoch vor dem Totensonntag. Buß- und Bettag ist nur in Sachsen ein Feiertag. Wer zwei Urlaubstage beantragt, kommt in den Genuss von fünf freien Tagen. Mit vier Urlaubstagen sind neun freie Tage drin.

Internationaler Frauentag: Der Tag fällt 2027 auf den 8. März – ein Montag. Der Weltfrauentag ist in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern ein Feiertag – und beschert Arbeitnehmenden drei freie Tage hintereinander.

Mariä Himmelfahrt: Der Tag ist im Saarland sowie in Teilen von Bayern ein gesetzlicher Feiertag. Er ist am 15. August und fällt 2027 auf einen Sonntag.

Weltkindertag: Der Weltkindertag (20. September) ist nur in Thüringen ein gesetzlicher Feiertag. 2027 ist er an einem Montag. Beschäftigte in Thüringen können also ein verlängertes Wochenende genießen.

Reformationstag: Der Reformationstag (31. Oktober) fällt 2027 auf einen Sonntag. Er ist in neun Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag. Neben Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind dies Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

Allerheiligen: Allerheiligen ist am 1. November. 2027 ist dieser Tag ein Montag. Ein gesetzlicher Feiertag ist Allerheiligen in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland. Arbeitnehmenden winkt also ein verlängertes Wochenende mit drei freien Tagen.

Weihnachten/Silvester/Neujahr

2027 ist Heiligabend (24. Dezember) an einem Freitag. Der erste und der zweite Weihnachtsfeiertag fallen mit Samstag und Sonntag auf ein Wochenende. Brückentage sind also nicht möglich. Das Gleiche gilt für den Jahreswechsel: Silvester (31. Dezember) ist an einem Freitag, Neujahr (1. Januar) an einem Samstag.

Arbeitgeber muss ausgewogene Entscheidung treffen

Aber wer bekommt nun die begehrten Premium-Tage frei? Beschäftigte müssen sich mit ihren Kolleginnen und Kollegen abstimmen, wer wann nicht arbeitet. Aber immer wieder kommt es vor, dass man innerhalb eines Teams nicht zu einer einvernehmlichen Lösung kommt. „Dann muss die Arbeitgeberin eine ausgewogene Entscheidung treffen“, so Oberthür.

Können Arbeitnehmende ohne Kinder bei Brückentagen Bevorzugung verlangen, wenn sie in den Schulferien schon oft das Nachsehen haben? „Nein“, sagt Arbeitsrechtlerin Oberthür. Bei Urlaubsanträgen während der Schulferien haben Eltern schulpflichtiger Kinder unter sozialen Gesichtspunkten oftmals Vorrang. „Allerdings sieht das Bundesurlaubsgesetz keinen Ausgleich für Kinderlose bei Brückentagen vor“, sagt Oberthür.

Wer Kinder hat, hat nicht automatisch Vorrang

Arbeitnehmende mit Kindern könnten auch nicht argumentieren, dass die Kita zu ist und sie deshalb bevorzugt einen freien Tag bekommen müssten. „Kein Arbeitnehmer hat generell Vorrang gegenüber anderen Arbeitnehmern“, so Oberthür.

Bei konkurrierenden Urlaubswünschen müsse die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber vielmehr einen sachgerechten Ausgleich finden und eine Entscheidung treffen. „Kinderbetreuungspflichten können dabei ein besonderes Gewicht haben, begründen aber keinen generellen Vorrang“, sagt Oberthür.

Quelle: dpa

Zahnmediziner/innen erstmals in der Landarztquote

Medizinischer Nachwuchs für ländliche Regionen: 40 Frauen und Männer starten ihr Studium über die Landarztquote. Zudem sind erstmals zusätzlich auch 10 angehende Zahnmediziner dabei. Was bedeutet das für sie?

In Sachsen beginnen in der kommenden Woche 40 Frauen und Männer ihr Medizinstudium über die sogenannte Landarztquote. Erstmals nehmen zusätzlich auch acht Frauen und zwei Männer über die Landzahnarztquote ihr Studium auf, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Die Studienanfängerinnen und -anfänger hatten sich im Bewerbungsverfahren um einen Studienplatz außerhalb des Numerus-clausus-Verfahrens für das Wintersemester 2026/2027 erfolgreich durchgesetzt.

Mit der Annahme des Studienplatzes verpflichteten sich die Studierenden, für mindestens zehn Jahre in einer sächsischen Bedarfsregion als Haus- oder Zahnärzte tätig zu werden. Das Programm läuft bereits seit dem Wintersemester 2022/23. Seitdem befinden sich 174 Frauen und Männer in diesem Studium.

Sachsen brauche, besonders auf dem Land, dringend mehr Nachwuchs für ausscheidende Haus- und Fachärzte, betonte Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD). „Ich bin den Studierenden sehr dankbar, dass sie sich bereits jetzt dazu bereiterklären, einen enorm wichtigen Beitrag zur Sicherstellung der künftigen zahnmedizinischen und ärztlichen Versorgung in den ländlichen Regionen Sachsens zu leisten.“

Quelle: dpa

Für wen gilt die Härtefallregelung bei Zahnersatz?

Zahnersatz geht ganz schön ins Geld – nicht nur dann, wenn man sich für die ästhetische Lösung entscheidet, die mehr kostet. Auch bei der Kassenvariante von Krone oder Brücke müssen Versicherte einen Eigenanteil leisten. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt derzeit 60 bis 75 Prozent der Kosten für die Regelversorgung. Ab 2027 sinken diese sogenannten Festzuschüsse auf 50 bis 65 Prozent.

Bei einer dreigliedrigen Brücke etwa kostet die Regelversorgung rund 1.718 Euro, wie ein Rechenbeispiel des Verbraucherportals „Finanztip“ zeigt. Ohne Bonusheft übernimmt die Kasse derzeit 60 Prozent, das sind etwa rund 1.030 Euro. Aus eigener Tasche zu zahlen sind dann 688 Euro.

Folgende Einkommensgrenzen gelten für die Härtefallregelung

Was tun, wenn das Geld dafür fehlt? „Wenn man sehr wenig Einkommen hat, kann die Härtefallregelung infrage kommen“, sagt Anja Schlicht von „Finanztip“. Dann werden die Kosten für die Regelversorgung voll von der Krankenkasse übernommen.

Die Härtefallregelung greift, wenn das monatliche Bruttoeinkommen des Versicherten eine gewisse Summe unterschreitet, so die Verbraucherzentrale. Welche Grenze genau gilt, hängt von der Lebenssituation ab:

  • Für Alleinstehende: 1.582 Euro
  • Mit einem Angehörigen im Haushalt: 2.175,25 Euro (als Angehörige gelten dabei Ehepartner, gleichgeschlechtliche Lebenspartner nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz und familienversicherte Kinder)
  • Mit jedem weiteren Angehörigen im Haushalt steigt die Grenze um weitere 395,50 Euro an.

Gut zu wissen: „Empfänger von Sozialleistungen fallen automatisch unter die Härtefallregelung“, sagt Anja Schlicht. Dazu zählen neben Empfängern von Grundsicherung und Sozialhilfe auch alle, die Bafög beziehen.

Dass man die Härtefallregelung beantragen möchte, sollte man frühzeitig in der Zahnarztpraxis ansprechen. Das Formular bekommt man entweder von der Kasse oder von Zahnarzt oder Zahnärztin. Darin muss man offenlegen, wie hoch das Einkommen ist – und auch entsprechende Nachweise in Kopie beilegen, so die Verbraucherzentrale. Der Antrag wird dann von der Krankenkasse geprüft.

Knapp über der Einkommensgrenze?

Wer knapp über der Einkommensgrenze liegt, muss aber nicht leer ausgehen. Dann kann die sogenannte „individuelle Härtefallregelung“ greifen. Heißt: Man bekommt einen erhöhten Festzuschuss zum Zahnersatz – auch wenn der nicht 100 Prozent der Kosten deckt. Die Verbraucherzentrale rät, in so einem Fall das Gespräch mit der Krankenkasse zu suchen, um Möglichkeiten auszuloten.

Quelle: dpa

Was der Oktober Neues bringt

Die Sommerzeit endet schon wieder und das Alkoholverbot an Bahnhöfen kommt – ein Blick auf die Neuerungen im Oktober.

Alkoholverbot an allen Bahnhöfen

Mit einem Alkoholverbot an allen deutschen Bahnhöfen will die Deutsche Bahn die Sicherheit für Fahrgäste und Beschäftigte sowie die Sauberkeit verbessern. Bis zum 15. Oktober soll das Verbot schrittweise an 5.400 Bahnhöfen umgesetzt werden. Das Konsumverbot gilt dann im gesamten Bahnhofsbereich inklusive der Bahnsteige. Bei Verstößen soll ein Platzverweis erfolgen, im Wiederholungsfall soll es ein Hausverbot geben.

Umstellung auf die Winterzeit

Die Winterzeit startet – und wir bekommen wieder eine Stunde dazu: Am letzten Sonntag im Oktober endet die Sommerzeit in Deutschland und in den meisten europäischen Ländern. In der Nacht auf Sonntag, den 25. Oktober, werden die Uhren von 3.00 Uhr auf 2.00 Uhr zurückgestellt.

Heckenschnitt wieder erlaubt

Hecken und Büsche im heimischen Garten sind über den Sommer mal wieder kräftig gewachsen? Ab dem 1. Oktober dürfen diese wieder radikal gestutzt oder entfernt werden. Dann endet die seit Anfang März laufende Schonzeit, die dem Schutz von nistenden Vögeln und anderen Tieren dient.

Zentrales Vorsorgeregister

Vorsorgevollmachten, Patientenverfügungen und Betreuungsverfügungen können im Zentralen Vorsorgeregister als Abschriften digital hinterlegt werden. Im Ernstfall können so Ärztinnen und Ärzte oder Betreuungsgerichte nachschauen, welche Dokumente vorliegen und diese unmittelbar einsehen. Zuvor konnten sie nur nachschauen, welche Dokumente existieren und wo sie aufbewahrt werden. Der Upload der Dokumente erfolgt nicht durch die Betroffenen, sondern durch institutionelle, verifizierte Nutzer – das sind etwa Notare oder Rechtsanwälte.

Weniger Ewigkeitschemikalien in Kleidung und Kosmetik

Ob Regenjacke, Pizzakarton oder Hautpflegemittel: PFAS – das sind oberflächen- und hitzebeständige Chemikalien – begegnen Verbrauchern im Alltag an vielen Stellen. Sie sind besonders langlebig und bauen sich in der Umwelt kaum ab. Einige dieser „Ewigkeitschemikalien“ stehen im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein. Ab dem 10. Oktober gelten für eine bestimmte PFAS-Untergruppe deshalb neue EU-Regeln. So dürfen einige Produkte PFAS künftig nur noch in geringeren Mengen enthalten oder müssen mit anderen Beschichtungen und Rezepturen hergestellt werden.

Quelle: dpa

Telefonische Krankschreibung laut AOK „gutes Mittel“

AOK-Chefin Carola Reimann verteidigt die telefonische Krankschreibung gerade in Zeiten von Infektionswellen als «gutes Mittel». So könnten Ansteckungen vermieden und medizinisches Personal geschützt werden, erklärte Reimann gegenüber der Funke Mediengruppe. «Während Corona haben wir keine Veränderung im Krankschreibungsverhalten der Ärzte gesehen, und eine missbräuchliche Nutzung können wir auch nicht feststellen», sagte Reimann. «Die telefonische Krankschreibung gilt zudem nur für persönlich bekannte Patienten und bei Infektionserkrankungen für maximal eine Woche.»

Die schwarz-rote Koalition hatte Anfang Juli angekündigt, die Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung abzuschaffen und die Pflicht zur Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auf den ersten Krankheitstag vorziehen zu wollen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) begründete die Pläne damit, dass der Krankenstand gesenkt werden solle. An den Plänen gab es auch Kritik aus den Reihen der Regierungsparteien.

Die Rückkehr zur Pflicht einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) ab dem ersten Krankheitstag hält Reimann für «unsinnig». «Wenn ab dem ersten Tag eine Krankschreibung vorliegen muss, bindet das eine unglaubliche Kapazität, die wir für die Versorgung nicht zur Verfügung haben.» Schon heute könne ein Arbeitgeber verlangen, dass Beschäftigte ab dem ersten Tag eine Bescheinigung vorlegen. «Eine Pflicht in der Breite halte ich für falsch.»

Quelle: dpa

E-Scooter-Unfälle häufen sich – Gefahr schwerer Gesichtsverletzungen

DGMKG – Gerade in den Sommermonaten gehören E-Scooter zum Stadtbild und gleichzeitig steigt die Zahl von schweren Unfällen mit ihnen erheblich an. 16.496 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden registrierte die Polizei nach Angaben des Statischen Bundesamtes im Jahr 2025 – ein Anstieg von 38,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders häufig sind Verletzungen im Kopf- und Gesichtsbereich. Mit moderner Diagnostik und innovativen Operationsverfahren lassen sich viele der Verletzungen im Kopf- und Halsbereich zwar erfolgreich behandeln, aber besser ist es natürlich, entsprechende Unfälle zu vermeiden.

Die Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie e.V. (DGMKG) weist darauf hin, dass vor allem Männer zwischen 20 und 40 Jahren betroffen sind, und fordert das persönliche Fahrvermögen sowie die aktuelle Verkehrslage, die Wetterbedingungen und den Zustand der Straße mehr zu beachten.

Eine Auswertung des BG Klinikums Unfallkrankenhaus Berlin aus den Jahren 2020 bis 2024 zeigt, dass rund 40 Prozent der Verletzungen bei E-Scooter Unfällen den Kopf und das Gesicht betreffen. „Gerade im Bereich der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie behandeln wir nach E-Scooter-Unfällen regelmäßig komplexe Verletzungsmuster“, erklärt PD Dr. med. Björn Riecke, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg am BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin sowie Experte der DGMKG. „Besonders häufig sehen wir Unterkieferfrakturen – darunter sind häufig Kiefergelenkfrakturen wie mehrfragmentäre Gelenkköpfchenfrakturen und Gelenkhalsfrakturen. Auch beidseitige Mittelgesichtsfrakturen, Zahnfrakturen sowie Riss-Quetschwunden kommen oft vor.“ Männer im Alter von 20 bis 40 Jahren verunfallen am häufigsten.

Moderne MKG-Chirurgie ermöglicht präzise Versorgung

Die Versorgung komplexer Kopf- und Gesichtsverletzungen hat sich in den vergangenen Jahren erheblich weiterentwickelt. Hochauflösende dreidimensionale Bildgebungsverfahren wie die Computertomografie (CT) oder die digitale Volumentomografie (DVT) ermöglichen eine exakte Diagnostik und eine präzise Operationsplanung. Des Weiteren ermöglichen CAD/CAM-geplante patientenspezifische Titanimplantate eine größtmögliche Annäherung an die ursprüngliche Anatomie. „Dank dieser modernen Verfahren können Patientinnen und Patienten präziser versorgt werden, haben kürzere Krankenhausaufenthalte und eine schnellere Rehabilitation“, betont Riecke.

Auch künftig werde sich die Versorgung weiter verbessern. „Künstliche Intelligenz wird die Auswertung bildgebender Verfahren zunehmend unterstützen und die Operationsplanung weiter optimieren“, so der DGMKG-Experte. „Durch die verkürzte Operationszeit wird die Belastung für die Patientinnen und Patienten verringert.“

Funktionen erhalten und sichtbare Folgen vermeiden

Das oberste Ziel der Behandlung besteht darin, Funktion und Ästhetik der verletzten Mund- und Gesichtsbereiche vollständig wiederherzustellen. Dennoch können schwere Gesichtsverletzungen auch nach erfolgreicher Versorgung Beschwerden verursachen. „Sensibilitätsstörungen im Gesichtsbereich, schmerzhaftes Kauen, eine schmerzbedingt eingeschränkte Mundöffnung, Augenbewegungsstörungen oder Doppeltsehen sind mögliche Unfallfolgen“, erklärt der DGMKG-Experte. In Einzelfällen kann sich eine Kiefergelenksarthrose entwickeln. Zahnverletzungen machen darüber hinaus häufig weitere zahnärztliche Behandlungen bis hin zu Implantat-Versorgungen erforderlich. Auch sichtbare Narben könnten dauerhaft bestehen bleiben.

„Je früher komplexe Gesichtsverletzungen durch spezialisierte Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurginnen und -chirurgen behandelt werden, desto besser sind die Chancen, langfristige funktionelle und ästhetische Einschränkungen zu vermeiden“, sagt Riecke.

Prävention kann schwere Verletzungen verhindern

Nach Auffassung der DGMKG ist Prävention der wirksamste Schutz vor schweren Gesichts- und Kopfverletzungen, die durch E-Scooterunfälle hervorgerufen werden. Dazu gehört eine realistische Einschätzung der eigenen Fahrfähigkeiten ebenso wie die Berücksichtigung von Verkehrsaufkommen, Witterung und Fahrbahnbeschaffenheit. Auf Fahrten unter Alkoholeinfluss sollte grundsätzlich verzichtet werden. Zudem empfiehlt die Fachgesellschaft das Tragen eines Helms. Zwar schützt ein herkömmlicher Fahrradhelm das Gesicht nur eingeschränkt – vor schweren Mittelgesichts- und Unterkieferfrakturen bietet lediglich ein Integralhelm einen wirksamen Schutz –, dennoch kann bereits ein Fahrradhelm das Risiko schwerer Kopfverletzungen deutlich senken. Eine Vorbildfunktion erfüllt hier die französische Hauptstadt: Angesichts stark angestiegener Unfall- und Todesopfer durch E-Scooterunfälle (Anzahl von Verkehrsunfällen im Jahr 2025 im Vergleich zum Jahr 2024 um ein Drittel gestiegen, 79 Todesfälle in 2025 – 34 mehr als 2024), hat Paris vor kurzem neben einer Helmpflicht auch eine Pflicht zum Tragen einer Warnweste oder anderer reflektierender Ausrüstung eingeführt. Ohne Helm wird eine Geldstrafe von 135 Euro fällig, ohne Weste oder Reflektoren 35 Euro. Solche präventiven Maßnahmen begrüßt die DGMKG ausdrücklich.

Gesunde Zähne von Anfang an – Ratgeber für Eltern

KZVH – Klein anfangen, dranbleiben, gemeinsam wachsen – wie für jede Alltagsroutine gilt das im Besonderen für die Zahnpflege bei Kindern. Um Familien von Beginn an bei diesem Thema zu begleiten, hat die hessische Zahnärzteschaft einen neuen Elternratgeber erstellt.

„Gesunde Zähne von Anfang an“ heißt eine neue Publikation, die sich an Eltern und Familien richtet. Die 36-seitige Broschüre enthält Informationen, Hinweise und praktische Tipps rund um die Mundgesundheit bei Kindern. Zudem finden Eltern im hinteren Teil des Ratgebers Antworten auf häufig gestellte Fragen. Grafiken und QR-Codes zu Videos veranschaulichen die beschriebenen Inhalte.

Schritt für Schritt zur Zahnpflegeroutine

Eltern und werdende Eltern haben viele Fragen – darunter auch, wie eine gute Mundpflege bei Kindern gelingen kann. Der Elternratgeber „Gesunde Zähne von Anfang an“ klärt Schritt für Schritt nach Altersstufen auf, beginnend mit der Schwangerschaft und den ersten Lebensmonaten. Werdende und frischgebackene Eltern erfahren, warum eine gute Zahnpflege auch in der Schwangerschaft wichtig ist, wann die ersten Zähne bei Babys erscheinen, wie man Babys an eine Zahnbürste gewöhnt oder was bei der Wahl einer kindgerechten Zahnpasta zu beachten ist.

Eltern von Kleinkindern erhalten Tipps für die Entwicklung einer gemeinsamen Zahnputzroutine, die richtigen Zahnputzbewegungen und zur Schnuller-Entwöhnung. Auch die Zahnpflege in Krippe, Kita und Tagespflege wird thematisiert. Empfehlungen gibt es zudem für eine gesundheitsfördernde Ernährung im Alltag. Auch für Schulkinder und Jugendliche enthält die Broschüre hilfreiche Informationen und Tipps.

Eine der wichtigsten Botschaften des Ratgebers: Mundpflege ist für Eltern und für Kinder ein Lernprozess. Eltern sollten sich und ihre Kinder dabei nicht unter Druck setzen. Fachlich begleitet hat die Broschüre Dr. Andrea Thumeyer, langjährige Vorsitzende der früheren Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege in Hessen (LAGH).

BGH setzt strenge Maßstäbe für Ärzte-Siegel

Testsiegel für Ärztinnen und Ärzte unterliegen strengen Anforderungen sowohl in Bezug auf das zugrundeliegende Testverfahren als auch die Gestaltung der Test-Logos. Das hat der Bundesgerichtshof in einem Urteil zu Ärztesiegeln der Zeitschrift „Focus Gesundheit“ betont. Ob die Siegel im konkreten Fall irreführend waren, muss das Oberlandesgericht (OLG) München demnach erneut prüfen.

Im jährlich erscheinenden Sonderheft der Zeitschrift unter dem Titel „Ärzteliste“ werden Ärztinnen und Ärzte als „Focus Top Mediziner“ oder „Focus Empfehlung“ ausgezeichnet. Für eine jährliche Lizenzgebühr dürfen die Ärzte die Siegel zu Werbezwecken nutzen. Die Wettbewerbszentrale kritisierte, die Gestaltung der Siegel sei irreführend und der Vergabe lägen keine sachgerechten Kriterien zugrunde.

Werbung oder Gütesiegel?

Das Landgericht München hatte der Klage zunächst stattgegeben und dem Burda-Verlag die Verleihung und Veröffentlichung der Ärzte-Siegel untersagt. Verbraucher würden die Siegel ähnlich wie Prüfsiegel der Stiftung Warentest auffassen. Es werde der Eindruck erweckt, es finde eine Bewertung nach objektiven Kriterien statt. Das sei wettbewerbswidrig.

Das OLG München sah die Sache später anders und hob das Urteil auf. Dem Durchschnittsverbraucher sei klar, dass die Bewertung von Ärzten vor allem subjektiv geprägt sei, weshalb sie die Siegel als Werbung mit aktuellen Testergebnissen und nicht als Prüfzeichen oder Gütesiegel verstünden. Am Logo sei zudem zu erkennen, dass das Siegel von einem Medienunternehmen vergeben wurde. Die Festlegung der Prüfkriterien falle in den vom Grundgesetz geschützten Bereich journalistischer Recherche.

Test-Einschränkungen müssen im Siegel erkennbar sein

Der BGH hob jetzt das OLG-Urteil auf und verwies die Sache zur neuen Verhandlung und Entscheidung zurück nach München. Bei der entgeltlichen Bereitstellung von Test-Logos mit Gesundheitsbezug seien strenge Anforderungen an die Richtigkeit, Eindeutigkeit und Klarheit des Testverfahrens sowie der Gestaltung der Siegel zu stellen. Wenn sich aus dem Verfahren Einschränkungen für die Aussagekraft der Siegel ergeben, müsse das in den Test-Logos zu erkennen sein, so der Senat.

Diesem Maßstab werde das Urteil des OLG München nicht gerecht. Der BGH zieht in Betracht, dass die Test-Logos des Focus-Magazins irreführend sein könnten und deren Gestaltung nicht den strikten Anforderungen an Werbung mit Gesundheitsbezug genügt. Das OLG werde dazu nun weitere Feststellungen treffen müssen. (Az. I ZR 130/25)

Der Burda-Verlag erklärte nach der Entscheidung, er sei von der „hochwertigen Methodik der Ärztelisten überzeugt“ und werde das auch im fortlaufenden Verfahren weiter darlegen. Die Methodik erfasse Dimensionen wie medizinische Erfahrung und Reputation sowie patientenorientierte Faktoren und sei jederzeit online oder in der Print-Ausgabe von „Focus Gesundheit“ nachvollziehbar, heißt es in einer Mitteilung. Die Ärztelisten selbst seien nicht Gegenstand des Verfahrens gewesen, betont der Verlag, sondern nur die beiden konkreten Siegel.

Quelle: dpa

Hilfe gegen den Urlaubsblues

Sommerzeit ist Urlaubszeit und während dieser Zeit eint Berufstätige häufig ein Gedanke: Wie stressfrei könnte das Leben doch ohne Job sein. Umso extremer dann der Kontrast, wenn nach dem Urlaub wieder der Arbeitsalltag anrollt. Schon beim Gedanken an das vollgelaufene Postfach oder liegengebliebene Arbeit stellt sich oft akute Unlust ein.

Dieses Motivationsloch nach dem Urlaub hat einen Namen: „Beim Post-Holiday-Syndrom handelt es sich um ein Gefühl von Unzufriedenheit und Antriebslosigkeit“, sagt Stefanie Bickert, Karriere-Expertin bei der Jobplattform Indeed. Typisch sind etwa schlechter Schlaf und Müdigkeit sowie mangelnde Konzentration, auch schlechte Laune und Antriebslosigkeit passen ins Bild.

Anpassungsschwierigkeiten nach dem Urlaub

In der Regel ist das ganz normal. „Unser tägliches Leben besteht aus vielen Routinen. Sie geben Struktur, kommen uns aber während eines längeren Urlaubs gern abhanden. Wenn dann der Alltag wieder beginnt, bringt das Anpassungsschwierigkeiten mit sich“, sagt Bickert.

Grundsätzlich begegnet man dem Stimmungstief am besten mit Akzeptanz. „Es braucht schlichtweg Zeit, bis sich die neuen – oder alten – Routinen wieder selbstverständlich anfühlen.“ Bis es so weit ist, dauert es manchmal einige Tage, in extremen Fällen sogar einige Wochen.

Es gibt Strategien, dem Rückkehrfrust etwas entgegenzusetzen und neue Motivation zu finden:

1. Starten Sie strukturiert

Stefanie Bickert rät, mindestens den Vormittag des ersten Arbeitstags nach dem Urlaub im Kalender zu blocken. Eine To-do-Liste hilft beim Überblick. Am besten notiert man unter den ersten Punkten Aufgaben, die ein schnelles Erfolgserlebnis liefern und auf die man sich vielleicht sogar freut. Das stärkt nicht nur die Motivation, sondern sorgt auch für Sicherheit beim Neustart.

2. Gönnen Sie sich einen frischen Blick auf eingefahrene Routinen

Die Distanz aus dem Urlaub kann helfen, mit frischem Blick auf die eigenen Arbeitsroutinen zu blicken. Stefanie Bickert erklärt das an einem Beispiel: „Wer sich konsequent aus überflüssigen E-Mail-Verteilern abmeldet, investiert im ersten Moment ein paar Minuten mehr, spart aber in Zukunft Zeit.“

Die Karriereberaterin rät zusätzlich, den Kalender und die To-do-Liste daraufhin zu prüfen, ob noch alle Meetings und Aufgaben wirklich wichtig sind oder gegebenenfalls angepasst oder gar gestrichen werden sollten.

3. Fördern Sie Ihre Motivation mit neuen Zielen

Die Zeit nach dem Urlaub kann eine gute Gelegenheit sein, um an neuen Zielen zu arbeiten. Stefanie Bickert rät Berufstätigen, sich nun zu fragen, was sie im nächsten Abschnitt des Jahres eigentlich erreichen wollen. Vorfreude sei ein wichtiger Verstärker für die eigene Jobzufriedenheit. Klare Ziele können antreiben und zeigen deutlich, worauf man jetzt am besten den Fokus legt.

Dazu empfiehlt sie die „Drei-mal-Drei“-Methode, bei der man drei konkrete Ziele in drei Bereichen definiert:

  • Projekte: Welches Thema möchte ich voranbringen?
  • Prozesse: Welchen Ablauf in meinem Arbeitsalltag kann ich verbessern?
  • Menschen: In welche berufliche Beziehung möchte ich mehr investieren?

4. Verlängern Sie das Urlaubsgefühl

Kleine gedankliche Anker können dabei helfen, sich zumindest kurzfristig in den entspannten Gemütszustand aus dem Urlaub zurückzuversetzen. Etwa in Form eines Urlaubsfotos als Bildschirmschoner oder dem Lieblingssong aus der Strand-Playlist auf den Köpfhörern.

Laut Stefanie Bickert spielt der Austausch mit dem Team eine wichtige Rolle: „Wer soziale Verbindungen im Job nach dem Urlaub bewusst aktiviert, findet schneller wieder Sinn und Motivation für die anstehenden Aufgaben.“ Es lohne sich daher, in den ersten Tagen Raum für informellen Austausch zu lassen, anstatt sich in der Arbeit zu vergraben.

Wichtig: Fehlen langfristig Motivation und Konzentration, kann das der Karriere-Expertin zufolge ein Zeichen dafür sein, dass es an der Zeit ist, die eigene berufliche Situation zu überdenken. Hält die depressive Verstimmung über mehrere Wochen an, sollten sich Betroffene zudem ärztlich beraten lassen.

Quelle: dpa

Bürokratieabbau – Regierung vermindert Papierkram für Bürger und Firmen

Eine lange Liste von Maßnahmen zum Bürokratieabbau hat die Bundesregierung beschlossen: etwa einfachere Regelungen für Taxiunternehmen, die Streichung regionaler LKW-Fahrverbote an Feiertagen wie Fronleichnam und grünes Licht für eine umfassende Digitalisierung des Gesundheitswesens.

Taxifahren soll ohne persönlich Ortskenntnisse möglich sein können

Etliche Initiativen betreffen den Straßenverkehr. Nach dem Willen der Bundesregierung werden die Regeln für Taxi- und Mietwagenunternehmen vereinfacht und die Pflicht zu einem Nachweis von Ortskenntnissen abgeschafft. Dass die Fahrer sich künftig auf das Navigationssystem verlassen dürfen, ohne die Straßen auswendig zu wissen, gilt allerdings nicht bundesweit sofort, sondern wird von den Bundesländern entschieden. Sie können festlegen, ob Fahrerinnen und Fahrer diese Nachweise vorlegen müssen.

„Das schafft mehr Flexibilität vor Ort, erleichtert den Berufseinstieg und hilft den Unternehmen dabei, dringend benötigtes Fahrpersonal zu gewinnen“, erklärte das Bundesverkehrsministerium.

Lkw-Fahrverbote an regionalen Feiertagen sollen fallen

Gleichzeitig schafft die Bundesregierung Regeln ab, die bislang für Kopfschütteln gesorgt haben. So reicht künftig das Kennzeichen von E-Autos aus, um in Umweltzonen in Innenstädten fahren zu dürfen. Halter müssen dann keine grüne Plakette mehr besorgen und auf die Windschutzscheibe kleben.

Lkw sollen nicht mehr wegen regionaler Feiertage wie Fronleichnam, dem Reformationstag oder Allerheiligen stillstehen. Regionale Fahrverbote an diesen Tagen sollen abgeschafft werden.

Digitale Kommunikation mit dem Jobcenter soll erste Wahl sein

Zu den zehn Maßnahmen, die den Umgang mit den Behörden erleichtern sollen, gehört auch ein Änderungspaket für die Bundesagentur für Arbeit. Bei der Jobsuche soll künftig die Devise «Digital First» gelten. Das bedeutet ganz praktisch: Arbeitslose können künftig mit dem Jobcenter per E-Mail verbindliche Vereinbarungen treffen. Auch Pflichttermine beim Amt können künftig digital per Videoschalte erledigt werden.

Kein Prüfaufkleber auf der Büro-Kaffeemaschine mehr nötig

Zustimmung fand auch ein Vorhaben aus dem Arbeitsministerium zum Abbau der Pflichten zur regelmäßigen Prüfung elektrischer Anlagen und Geräte. Dies soll nur noch bei Gefährdungspotenzial vorgeschrieben sein. Bislang müssen elektrische Geräte – von der Kaffeemaschine bis zur Großanlage – in Büros alle zwei Jahre und in Werkstätten jährlich auf Funktionstüchtigkeit und Sicherheit überprüft und mit entsprechenden Aufklebern versehen werden.

Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) sagte, die beschlossenen Maßnahmen entsprächen einer jährlichen Entlastung von rund 600 Millionen Euro. „Damit haben wir seit November Entlastungen im Umfang von 10,4 Milliarden Euro auf den Weg gebracht.“

Digitaler Schub für das Gesundheitswesen

Mit dem geplanten Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG) will die Koalition den in vielen Praxen und Kliniken vorherrschenden Papierstau auflösen: Der digitale Versand von Nachrichten soll gefördert, die elektronische Überweisung eingeführt und der Leistungsumfang der elektronischen Patientenakte massiv ausgeweitet werden. Zudem sollen Hürden bei der Nutzung moderner Cloud-Infrastrukturen in Krankenhäusern beseitigt werden.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sagte, im Gesundheitswesen werde seit vielen Jahren kritisiert, dass es zu viel unnötige Bürokratie gebe, zu viele Berichtspflichten, zu viele Nachweisaufgaben. „Ein entscheidendes Instrument, wie wir da besser werden, ist die Digitalisierung, deren Potenziale wir bisher nicht ausreichend ausgeschöpft haben. Und genau das haben wir geändert.“ Das Gesetz entlaste durch die Einführung und Verbesserung von digitalen Abläufen im Umfang von fast 448 Millionen Euro.

Normenkontrollrat fordert: Alle Ministerien müssen kontinuierlich mitarbeiten

Der unabhängige Nationale Normenkontrollrat (NKR) lobte die vom Kabinett getroffenen Entscheidungen zwar insgesamt, kritisierte gleichzeitig aber die aus seiner Sicht noch unzureichenden Anstrengungen einiger Ministerien beim Abbau bürokratischer Lasten. „Durch die heute beschlossenen Vorhaben kann eine jährliche Entlastung von knapp 600 Millionen Euro erreicht werden“, sagte der Ratsvorsitzende Lutz Goebel.

Ein Großteil gehe auf das Gesetz für Daten und digitale Innovationen im Gesundheitswesen zurück. Entscheidend werde sein, «dass künftig alle Ressorts kontinuierlich Beiträge leisten», die Maßnahmen aus den Modernisierungsvorhaben konsequent umgesetzt und insbesondere die Bürokratiekosten für Unternehmen spürbar gesenkt würden.

Quelle: dpa

Push-Nachrichten und Medikationsplan mit ePA-Update

Seit mit dem 1. Juli erhalten die ePA-Apps der Krankenkassen nach und nach ein Update, mit dem schrittweise neue Funktionen der elektronischen Patientenakte (ePA) erlebbar werden: Versicherte können dann in ihrer App einstellen, ob sie Push-Benachrichtigungen über Aktivitäten in Verbindung mit ihrer ePA erhalten möchten. Dank Push-Benachrichtigungen erfahren Versicherte unmittelbar, wenn sich etwas in ihrer Patientenakte tut, ohne die ePA-App selbst öffnen zu müssen.

In der App legen sie fest, worüber sie informiert werden möchten: etwa, wenn nach dem Krankenhaus-Aufenthalt der Entlassbrief hochgeladen wird oder wenn die neue Facharzt-Praxis auf die eigene Akte zugreift. Das schafft noch mehr Transparenz, Überblick und Souveränität über die eigenen Gesundheitsdaten in der Patientenakte. 

Der elektronische Medikationsplan kommt schrittweise

Ab Mitte Juli wird schrittweise der elektronische Medikationsplan (eMP) als Teil des digital gestützten Medikationsprozesses (dgMP) in der ePA ausgerollt.

Mit der Pilotierung des dgMP können bereits erste Einrichtungen, die zu dem Netzwerk in den Modellregionen gehören und auch Einrichtungen, die in Kontakt mit ihrem Hersteller stehen und den dgMP erproben möchten, die neuen Funktionen Schritt für Schritt kennenlernen und sich mit dem Ablauf des dgMP vertraut machen. Erste Hersteller werden zu Beginn an der Pilotierung teilnehmen, weitere werden im Pilotierungsverlauf erwartet.

Im Mittelpunkt der Pilotierung steht der eMP, der perspektivisch den bundeseinheitlichen Medikationsplan (BMP) ablösen soll. Neben der Verfügbarkeit des eMP gehen mit der jetzigen Ausbaustufe der ePA auch weitere Funktionen einher, z. B. die Möglichkeit für Einrichtungen, Nachträge für OTC-Medikamente und Betäubungsmittel in der elektronischen Medikationsliste (eML) vorzunehmen.

Der eMP wird eine wichtige Rolle im Medikationsmanagement übernehmen. Im Vergleich zur eML, die bereits seit Start der ePA verfügbar ist, bietet der eMP nicht nur eine Übersicht über das Verordnungs- und Abgabegeschehen, sondern eine darüberhinausgehende Darstellung der aktuellen und institutionsübergreifenden Gesamtmedikation eines Versicherten mit weiterführenden Hinweisen, die die versicherte Person darin unterstützen, die Therapie sicher und erfolgreich umzusetzen.

Quelle: gematik

Milchzähne informieren über kindheitliche Lebensumstände

Milchzähne speichern wie Baumringe Informationen aus der frühen Entwicklung. Forschende der Universität Bergen zeigen anhand der weltweit größten Milchzahnbiobank, dass sich Umweltbelastungen und Nährstoffeinflüsse aus Schwangerschaft und Kindheit noch Jahre später im Zahngewebe nachweisen lassen.

Die Zahnärztin und Wissenschaftlerin Synnøve Stokke Jensen untersuchte in ihrer Dissertation, inwieweit Milchzähne Umwelt- und Entwicklungseinflüsse aus Schwangerschaft und früher Kindheit dauerhaft speichern. Grundlage der Arbeiten sind Daten der norwegischen Mutter-Vater-Kind-Kohorte MoBa sowie die MoBaTooth-Biobank, die nach Angaben der Universität Bergen die weltweit größte Sammlung natürlich ausgefallener Milchzähne mit zugehörigen Gesundheitsdaten umfasst.

„Biologisches Archiv“ Dentin

Da sich Zähne, ähnlich den Jahresringen eines Baumes, schichtweise entwickeln, lassen sich Belastungen und Einflüsse bestimmten Entwicklungsphasen zuordnen. So könnten sowohl essentielle Spurenelemente als auch Umweltkontaminanten über viele Jahre erhalten bleiben.

Eine in die Dissertation einbezogene Untersuchung ermittelte Referenzwerte verschiedener Spurenelemente in Milchzähnen. Eine weitere Studie zeigte den engen Zusammenhang zwischen der Bleibelastung von Müttern während der Schwangerschaft und den später in den Milchzähnen ihrer Kinder gemessenen Konzentrationen. Dies spricht dafür, dass die Zähne Belastungen bereits aus der vorgeburtlichen Entwicklung dokumentieren können. Die dritte Untersuchung beschäftigte sich mit Kindern mit und ohne Autismus-Spektrum-Störung. Dabei zeigten sich Unterschiede in bestimmten Spurenelementmustern während der frühen Entwicklung. Nach Angaben der Autorin lassen sich daraus jedoch keine diagnostischen Aussagen ableiten. Vielmehr könnten Milchzähne künftig dazu beitragen, mögliche Umweltfaktoren bei neurodevelopmentalen Erkrankungen besser zu untersuchen.

In ihrer Dissertation kommt Stokke Jensen zu dem Schluss, dass Milchzähne ein erhebliches Potenzial als Biomarker in der epidemiologischen Forschung besitzen. Ob sich daraus künftig konkrete diagnostische oder präventive Anwendungen ergeben, bleibt jedoch Gegenstand weiterer Untersuchungen.

Literatur: Synnøve Stokke Jensen (2025). Biomarkers in human primary teeth in epidemiological research : The Norwegian Mother, Father and Child Cohort study (MoBa) and the MoBaTooth Biobank. https://hdl.handle.net/11250/5324792